22 Mai 2009

9. Mai 2009: New Jersey, Delaware

Liebe Freunde,

Unsere Pilgerreise setzt sich in Nord Amerika fort. Mitsamt den Fahrraedern und Taschen sind wir nach Philadelphia geflogen--die Stadt der Bruederliebe. Die Uhren stellten wir auf Ortszeit um, den Fahrrad-Tacho auf Meilen und unsere biologische Rhythmen auf die Sternen ueber Nord Amerika. Dann, nach die Besuch an der Hochzeit von Williams Brueder, sind wir nach New Jersey und die Atlantik Kueste an Ocean City (mit Pkw) gefahren. Nach einem Konzert im Altenheim und eine grosse oeffentliche Radwanderung, sind wir los geradelt Richtung Sueden. So beginnt unsere Radl-pilgerfahrt ganz in der Naehe von Egg Harbor City, Geburtsort von Peace Pilgrim, die Amerikanerin die zwischen etwa 1950 und 1981 durch ganz Nord Amerika fuer den inneren und auesseren Frieden gewandert hat. Unserer erster Tag war halt regnerisch, und Sand und Wasser wirkten verheerend auf die Ketten und Zahnkraenze. Doch ein Freundlicher Handwerker, den wir vor einem Geschaeft traffen, rettete unsere Getriebe mit einer Spruehoel Doese und Lappen aus seinem Lastwagen. Die erste Nacht verbrachten wir auf einem von gastfreundlichen Christen betriebenen Campingplatz.

Am naechsten Tag kam der Wind--ganz stark und uns direkt entgegen. Wir machen eine Pause in Lewes, Delaware--nach Jamestown die zweitaelteste europaeische Siedlung in den heutigen USA. Ein netter Mann, von den bepakten Raedern angezogen, erzaehlt uns aus der Geschichte der Stadt, und empfehlt ein Kafe Roesterei wo man Espresso der ersten Klasse trinken kann. Eine solche Empfehlung muss mann nicht zweimal machen. Doch trotz der Verstaerkung, koennen wir wegen des Windes nur in Schrittgeschwindigkeit fahren, und werden allmaehlich erschoepft. Da wir in der Hauptstadt, Dover, fuer das Delaware Fahrrad-Gipfel erwartet sind, fahren wir zu einer Bushaltestelle. Die Busse haben vorne ein besonderes Gestell fuer die Fahrraeder (die umsonst fahren). Die Fuehrerin ist sehr freundlich und wartet geduldig waehrend wir alles aufladen, laesst uns sogar zum halben Preis fahren. In der Nacht, teilen wir eine Suite im Hotel mit einer Verkehrs Plannungs Ingeneurrin die sich stark engagiert hat, diese Radlgestelle auf alle Busse in Delaware einzusetzen.

Wir waren von dem Fahrrad-Gipfel sehr angetan. Es sammelten sich Menschen aus der Politik, aus den Strassen- und Verkehrsplannungs Aemter, aus der Industrie, Fahrradhandel und Radfahrerverbaende--von der Nationalen Ebene bis zu Oertliche Klubs--um ueber die Zukunft des Fahrrads als Verkehrsmittel und Foerderung der allgemeinen Gesundheit zu lernen und sprechen. Der Governeur vom Bundestaat Delaware war da. Er hat schon dreimal den ganzen Staat vom Sueden nach Norden geradelt. Er unterschrieb eine Verordnung, die das Verkehrsministerium verpflichtet Fahrrad und Fussgaenger Wege ein zu bauen bei allen neuen Strassen und Strassen Erneuerungen (sei es denn, dass es schwerwiegenden, beweisbaren Gruende dagegen gibt.)

Der Hauptredner war ein Verkehrsingeneur, Mike Ronkin, aus Oregon, der ursprunglich aus Genf stammt. In Portland, eine Stadt in Oregon, fahren etwa ein drittel der Menschen mit Fahrrad zur Arbeit und Schule. Er foerderte die Verantwortlichen auf, bei der Strassen Plannung nicht zu denken "Wie koennen die meisten Kraftwagen am schnellsten durchfahren?" sondern ganzheitlich zu denken und zu fragen "Wie kann man diese Strasse am besten gestalten, so dass alle Verkehrsteilnehmer, Bewohner und Geschaefte am besten bedient sind?" Ohne es ausdruecklich zu sagen, will er den Mensch--und nicht wie heute das Auto--in der mitte der Strassen Plannung und Stadtgestaltung stellen. Die Anwesenden schienen davon begeistert zu sein. Mal sehen ob sie ihre Kollegen und Vorgesetzten auch ueberzeugen koennen. Die Zeit scheint schon reif--oder sogar ueberreif--dafuer zu sein. Benzin Preise steigen, Verkehrsstauen in den Ballungsgebiete sind schlimm, und Bewegungsmangel erkraenkt betraechtliche Mengen der Bevolkerung. Darueber hinaus: es ist schon laengst an der Zeit, Geistgemaess und Menschgemaess zu denken und zu handeln--auch in dem Verkehrsministerium.

Nach dem Gipfel sind wir weiter geradelt zu der Nordgrenze Delawares, so dass wir auch die erste Staat der Vereinigten Staaten durchradelten. Abgesehen von einigen Verkehrsknoten und eine Bruecke die auch als Mullkippe diente, fanden wir die Strassen, Verkehrsteilnehmer und die uns begegneten Menschen recht Radl-freundlich. Das ist schon eine positive Aenderung.

Waehrend den vorangegangen sieben Jahren, war die Oeffentlichkeit sehr beschaeftigt mit Sicherheit und die vorbeugung von Terrorismus. Man merkt das noch deutlich: zum Beispiel mit Plakaten auf Busse usw. die Mahnen, verdaechtige Menschen oder Verhalten an den Nationalen Sicherheitskraefte zu melden. Das geht jedoch ruhiger und gelassener vor. Dagegen sieht und hoert man viel ueber die Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Jeder weiss, dass die Krise die Folge ist von Gier, Verlogenheit und Misbrauch auf hoechster Ebene des Finanzwesens. Doch kaum hoert man, dass die Krise in erster Linie eine moralische Krise ist, die sich in der Wirtschaft ausschlaegt. Immerhin, weil das so ist, muss die Loesung der Krise auch eine moralische sein. Eine moralistische Einstellung, die anderen Tadelt und sich selbst unbetroffen laesst bringt wohl nichts. Doch eine moralische Einstellung staerkt Tugend und ueberwindet Laester zuerst in der eigenen Seele. Ist man sich selbst gegenueber ehrlich, so kann man die Wahrheit wirkungsvoll aussprechen. Ist man Gott und seinen Mitmenschen gegenueber dankbar und harmonisch, so kann man Gerechtigkeit in seinem Leben ausbreiten. Oder, wie der russische Heilige Silouan etwa sagte: "Findest du den wahren inneren Frieden in dir, so werden ein tausend Seelen um dich herum gerettet."

Wir danken allen lieben Freunde fuer die Gebete, die gute Gedanken und die materielle Unterstuetzung...und hoffen von Euch bei Gelegenheit ein e-mail zu bekommen!

Alexandra und William
Wilmington, Delaware den 9. Mai 2009