27 Oktober 2009

Oktober 2009, Pazifikkueste, Washington und Oregon

Liebe Freunde,


Nun ist es fast ein halbes Jahr her, dass wir die US Atlantikküste verlassen haben. Jetzt werden die Tage kürzer und die Luft kühler. Das Odometer hat gerade die 30.000 Meilen-Marke (50.000 km) überschritten. Eure Pilger haben die Pazifikküste erreicht, mit dem Fahrrad von der Wie das alte Lied "America the Beautiful" geht, sind sie gefahren "from sea to shining sea". Sie haben viele gute Menschen besucht in Mt. Vernon, Port Townsend, Edmonds, Marrowstone Island, Vashon Island und irgendwo im Puget Sound Gebiet. Von dort zogen sie an der Küste entlang weiter südwärts, durch Oregon nach Kalifornien.

Wir können nur einige von den vielen Höhepunkten aufzählen, die wir auf diesem Weg erlebt haben. Port Townsend, WA, war mit Sicherheit einer von ihnen. Wir wurden von einer freundlichen und sehr musikalischen Familie aufgenommen, mit der wir viel Zeit verbrachten mit gemeinsamem Singen und Musizieren. Sie machten auch eine Rundreise mit uns durch die Gegend, dabei waren wir einem sehr populären Kaffeeladen mit einem Barista, der Weltklasse hatte. Man kann mehr ueber diese Berufung und die dazugehoerige Kunst lesen bei: http://de.wikipedia.org/wiki/Barista In diesem Teil der Welt, wo auch in Seattle „Starbucks Kaffee“ seinen Anfang nahm, nehmen die Leute das Kaffeetrinken sehr ernst!

Außerdem besuchten wir die Orthodoxe Kirche von St. Herman aus Alaska. Ihr Patron, St.Herman, verließ das russische Kloster zu Valaam am Ladoga-See (den eure Pilger im August 2000 besuchten), und reiste nach Nordamerika, einen großen Teil des Weges mit Hundeschlitten. Russische Trapper und Fischer brachten später ihre Kultur und Religion hinunter an die Pazifikküste bis nach Fort Ross, Kalifornien. In der hiesigen Gemeinde wurden wir wie in eine Familie aufgenommen und trafen viele Seelenverwandte. In einem nahe gelegenen Park besuchten wir ein Gemeindecamp. Wir waren erstaunt darüber, wie die vielen Menschen dort, vor allem Kinder und Jugendliche, zusammen leben, beten, spielen, singen und einfach zusammen sind in Freude und Harmonie, das war ermutigend zu sehen.

Weiterhin besuchten wir Port Haddock, WA. An einer Straßenseite ist eine Waldorfschule, die idealerweise in Kindern die Liebe am Lernen kultiviert. In der Nähe liegt ein biodynamischer Bauerhof, wo William einen Vortrag hielt über gesunde Ernährung und Landwirtschaft auf einem monatlichen Treffen fuer Landwirte. . Quer über die Straße liegt ein wunderbarer Fahrradladen, der betrieben wird von einem kompetenten und freundlichen ehemaligen wissenschaftlichen Lehrer.

Wir wurden damit gesegnet, beide der Gründungslehrer der Waldorfschule zu treffen. Und wir kümmerten uns sogar um die Bauernhoftiere der einen der beiden (eine ganz hochkarätige Lehrerin aus Südafrika), da sie in einen wohlverdienten und dringend nötigen Urlaub fuhr.

Ein anderer Höhepunkt war ein Besuch des Russisch-Orthodoxen Klosters auf der Vashon Insel (siehe Foto oben). Das Gebäude in dieser Oase von Frieden und christlicher Spiritualität ist im norwegischen Stil erbaut. Und in der Tat ist der Abt norwegischer Herkunft.

Zufälligerweise kamen wir dort kurz vor dem alljährlichen Inselpicknick an, das vom Kloster veranstaltet wird, so hatten wir die Gelegenheit, viele Menschen zu treffen, für sie zu singen und mit ihnen zu sprechen – Menschen, die dazu neigen, sehr unter sich zu bleiben, da sie hier auf einer Insel leben.

In Astoria, Oregon, (nach einer quälenden Fahrt über die Brücke von Washington), trafen wir ein freundliches Paar, das uns gleich einlud, über Nacht zu bleiben, obwohl es gerade noch Morgen war. Sie nahmen uns nicht nur mit, sondern arrangierten für uns, dass wir im Skandinavischen Radioprogramm singen und sprechen konnten. Auch einen Besuch auf der Palliativstation des Ortskrankenhauses organisierten sie für uns, wo wir für die Patienten sangen.

Weiter im Süden und einige Tage später trafen wir vor Fred Meyers Superladen einen geheimen Missionar (bekannt unter seinem Pseudonym Tumbleweed), der uns prompt zu sich nach Hause einlud. Er organisierte für uns einen Besuch in der Ortskirche und in einem Seniorenheim, und er sorgte dafür, dass wir wohl versorgt und ausgerüstet mit allem, was wir brauchten, unsere Reise nach Süden fortsetzen konnten. Ihr könnt mehr über ihn erfahren auf seinem blog im internet: http://www.tumbleweed-2.info/

Von hier aus setzten wir unseren Weg fort in Richtung Süden. (Mehr darüber in unserem nächsten blog – Bericht.)

Wie wir in unserem letzten blog schrieben, sind viele Menschen besorgt über die Wirtschaftskrise: Arbeitslosigkeit, schlechte Preise für Häuser, instabile Finanzinstitutionen und sogar finanziell instabile Regierungen der Bundesstaaten. Trotz dieser Tatsachen sieht man, wenn man sich umschaut, angemessenes Essen, Schutz, Kleidung und andere materielle Dinge, die man braucht – sogarUeberfluss oder Luxus. Zunächst einmal, die Welt erleidet eine Überproduktionskrise.

Im menschlichen Körper wächst ein Krebsgeschwür auf Kosten der anderen Organe und Körperfunktionen. Ganz ähnlich ist heute die wirtschaftliche Produktion auf Kosten der übrigen Gesellschaft gewachsen. Das politische und kulturelle Leben ist jeweils seinem eigentlichen Zweck entfremdet, und sie sind gezwungen, dieser Produktion zu dienen und sie anzukurbeln.

Diese Entfremdung führt zu einem zweiten Aspekt des Problems: eine Krise in der Verteilung der materiellen Güter. Obwohl die materielle Produktion wächst, verlieren mehr und mehr Menschen ihr Recht, an dieser Produktion teilzuhaben, (ihr Recht vor dem menschlichen Gesetz, nicht vor Gottes Gesetz).

Ein krasses Beispiel dafür ist die Vernichtung unzähliger Tonnen Nahrungsmittel in Europa und Amerika, während Kinder in Afrika und Asien an Nahrungsmangel erkranken und sterben.

Keine politische oder technische Schnelllösung kann dieses Problem lösen. Wirkliche Veränderung muß mit einer spirituellen Erneuerung beginnen, mit einer „Metanoia“, einer Veränderung des Geistes. Können wir lernen, bildhaft-lebendig statt abstrakt-tot zu denken, um die Wechselbeziehung zwischen Wirtschaft, Politik und Kultur zu verstehen? Können wir unsere grundlegende menschliche Würde erfahren, die darin liegt, dass wir Geschöpfe Gottes sind, sein Ebenbild? Können wir anderen helfen, zu dieser Erfahrung zu gelangen? Wenn diese Fragen beantwortet sind, dann, und erst dann, kann wirkliche soziale Veränderung und Heilung beginnen.

Vielen Dank geht at Katrin aus Jena fuer Ihre Uebersetzung dieses Berichts. Wir senden unsere Liebe und unseren Dank an alle unsere Freunde, an alle, die uns geholfen und für uns gebetet haben auf unserer Reise.


Alexandra and William


14. Oktober 2009

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