17 Juni 2010

Mai-Juni 2010: Norwegen

Mai-Juni 2010: Norwegen

Liebe Freunde,

Seit dem letzten Bericht fuhren Eure Pilger mit den Fahrrädern zum Flughafen Larnaca, und nach einigem Abenteuer, die Räder in’s Flugzeug zu bekommen, flogen sie nach Norwegen. Sie kamen gerade rechtzeitig zum norwegischen Nationalfeiertag, den 17.März. An diesem Morgen erhielten sie beim Frühstück mit ihren Freunden Svein und Kerstin einen norwegischen Sprach-Crashkurs zur Auffrischung. Dann kam die große Parade mit Musik, Flaggen und die Menschen in wunderbarem Tracht. Später am Tag gingen sie zum Lia Gaard, einem christlichen Einkehr-Zentrum für Familien in Koppang.

Der Höhepunkt des Aufenthaltes in Lia war die Einweihung der orthodoxen Kapelle der St. Fotini, ein herrliches Gebäude im byzantinschen Baustil. Etwa sechs Jahre lang wurde daran geplant und gebaut. Als Eure Pilger Lia 2003 das erste Mal besuchten, hielten ihre Leiter, Sigmund und Ingeborg, gerade Familieneinkehrtage ab zum Thema „Die Frau am Brunnen“. Obwohl die Beiden mit Niemandem darüber sprachen, planten sie bereits, eine orthodoxe Kapelle zu bauen, die der „Frau am Brunnen“ geweiht sein sollte. Aber sie wußten ihren Namen nicht oder dass so viel von ihrer Lebensgeschichte in der Tradition der othodoxen Kirche erhalten ist, bis Eure Pilger diese Dinge im Gespräch erwähnten. Einige Jahre später erhielten sie dann aus Lia eine Einladung - und Flugtickets – für die Einweihung der Kapelle.

„Fotini“ ist der Taufname der Samariterin am Brunnen, von der im Johannisevangelium die Rede ist. In der orthodoxen Tradition wurde sie den Aposteln gleichgestellt, seit sie Christus als den Retter erkannte und die Gute Nachricht zu den Menschen in Samaria brachte. Ihre Geschichte ist die erste Beschreibung der Guten Nachricht, die über die Grenzen der hebräischen Nation hinaus getragen wurde. Am Ende von Goethes „Faust“ wird die Samariterin zusammen mit Maria Magdalena und Maria von Ägypten im Himmel dargestellt, als eine der drei archtypischen Repräsentantinnen, die der Welt Reue, Vergebung und Gnade bringen.

Die Einweihnung wurde amtlich durchgeführt durch einen orthodoxen „Heiromönch“ (d.h. Mönch und Priester zugleich), aus Hurdal und Oslo, Vater Johannes. Die Einweihung beinhaltete nicht nur die Segnung der Kapelle, sondern auch die Segnungen des „Jakob's Brunnens“, der nahebei gegraben wurde, und der „Bjorn Quelle“, die bei den Bauarbeiten der Straße zum Bornhügel, auf dem die Kapelle steht, entsprang. Es gab weiterhin eine Reihe von Vorträgen und Präsentationen, und Eure Pilger komponierten und sangen ein Lied, das der Hlg. Fotini gewidmet ist. (Der Liedtext befindet sich am Ende dieses Berichtes.) Am Tag nach der Einweihung kam eine Gruppe von ostchristlichen Asyl-beweber aus Eritrea nach Lia zu einem Gebetsgottesdienst und einem Besuch der Kapelle.

Bald danach gab es in Lia ein Seminar über ostchristliche Spiritualität, das von Peter Halldorf geleitet wurde, einem Priester der Pfingst Kirche in Schweden. Er ist außerdem Leiter einer Kommunität, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die protestantischen und orthodoxen Traditionen einander näher zu bringen. Können die östlichen christlichen Praktiken und Traditionen in einer protestantischen Umgebung, außerhalb der östlich-orthodoxen oder der koptischen Kirche kultiviert werden? Liebe Leser, diese Frage lassen wir offen. Eines war allerdings ziemlich klar: Peter sprach zu einem überwiegend protestantischen, z.T. pietistischen Publikum. Während er über Heiligkeit, heilige Zeit, heilige Bilder oder über die Transformation und die Heiligung (theosis) des Menschen sprach, berührte er Themen, die für Viele aus dem Publikum schwer zu verstehen oder zu akzeptieren waren. Nichtsdestoweniger sind es Themen von grundlegender Wichtigkeit. Wenn wir voll verstehen, dass wir geschaffen wurden als Ebenbilder Gottes und Ihm ähnlich, und dass der Sinn unseres Lebens darin besteht, dies wiederherzustellen – um wie Gott zu werden und wie Gott zu handeln – dann sind unsere Leben auf einem sehr tiefgehenden Niveau verändert.

Eure Pilger reisten weiter nach Süden bis Christiansand und gingen an Bord der Fähre nach Dänemark. Mehr darüber im nächsten Bericht!
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Fotini
(Uebersetzung durch Katrin Mann)
Sie kam mittags, in der Hitze des Tages.
Sie kam durstig nach Wasser.
Sie kam von einem Volk, verloren und verwirrt.
Sie kam mit Durst nach Leben.

Und am Brunnen, an der Wasserquelle,
traf sie die Quelle des Lebens.
Sie hörte Seine Stimme in der Wahrheit und im Geist,
Er sprach zu ihr: ICH BIN.
Sie bat ihn um das Wasser des Lebens.
Er sagte ihr alles, was sie getan hatte.
Er sprach vom Vater, von Anbetung und Wahrheit.
Sie erkannte, Er ist der Erwartete.

Sie ließ ihren Krug am Brunnen zurück an diesem Tag,
In ihr selbst sprudelte eine Quelle lebendigen Wassers.
Sie ging zu ihrem Volk und brachte ihnen gute Nachrichten:
Kommt, seht die Quelle des Lebens!

Ja, in ihrem Herzen floß lebendiges Wasser.
Dort entsprang die Quelle des Lebens.
Sie hört Seine Stimme in der Wahrheit und im Geist.
Er spricht zu ihr: ICH BIN.

Ja, in ihrem Herzen fließt lebendiges Wasser.
Dort entspringt die Quelle des Lebens.
Komm, hör Seine Stimme in der Wahrheit und im Geist.
Er spricht zu uns: ICH BIN.

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