Liebe Freunde,
bitte verzeiht die lange Unterbrechung unserer Berichte. Eure Pilger schrieben Euch das letzte Mal aus Dänemark. Von da aus reisten sie nach Heidelberg in Deutschland, wo sie auf der Hochzeit ihrer Freunde Beate und Michael sangen. Viele Jahre zuvor, noch bevor das Paar sich überhaupt kannte, hatte uns Beate gebeten, wenn sie jemals heiraten würde, auf ihrer Hochzeit das „Hochzeitslied“ zu singen. Ihre Bitte wurde sehr freudig erfüllt! Zusätzlich schrieb William ein neues Lied extra für dieses Ereignis. (Es gibt einen link zu dem Text auf dieser Seite.) Die Feier fand auf einem Biobauernhof statt und Eure Pilger verbrachten die Nacht gemeinsam mit den anderen Gästen, feiernd, tanzend und dann schlafend im Stroh.
Bald danach fuhren wir mit dem Zug nach Österreich und begannen dort mit unseren Rädern die Fahrt in Richtung Balkan. In Österreich und Slowenien trafen wir viele freundliche Menschen, fuhren auf gut gepflasterten und ruhigen Straßen und Radwegen und fühlten uns mehr und mehr erfrischt mit jedem neuen Tag. Es war eine gute Vorbereitung für das, was noch kommen sollte.
Wir überquerten die Grenze nach Kroatien in einer ruhigen, ländlichen Gegend. Vor vielen Jahren waren wir im Touristengebiet an der kroatischen Küste gewesen, wo Ausländer nur als Geldkühe angesehen werden, die beim „Melken“ so viele Dollar wie möglich geben sollen. Dieses Mal waren wir im Norden des Inlandes, und es schien hier eine völlig andere Welt zu sein. Es gab nur wenig Verkehr, das Wetter war gewöhnlich gut und wir erfuhren sehr freundliche Gastfreundschaft, als wir in Kirchen schliefen oder auf Bauernhöfen zelteten.
Der Höhepunkt unserer Zeit in Kroatien war vielleicht der Besuch einer alten Freundin, die wir sieben Jahren zuvor kennen gelernt hatten. Katharina lebt in Osijek im Osten von Kroatien. Sie war dort zur Zeit der Trennung Kroatiens von Jugoslawien. Es war eine Stadt, in der Kroaten und Serben in relativem Frieden zusammen lebten, bis zum Krieg. Die Stadt wurde geteilt. Es gab Gewalt und Greueltaten zwischen den beiden ethnischen Gruppen. Die Menschen wurden untereinander extrem misstrauisch. Katharina war eine erfolgreiche Ärztin und hätte leicht die Stadt verlassen und an einen sichereren Ort ziehen können. Aber sie entschied sich zu bleiben – als eine Zeugin von Frieden und Vernunft. Sie wurde von einem Mann begleitet, der dieselben Ideale hatte. So entstand das "Centar za Mir"- das “Zentrum für Frieden”, das auch heute noch arbeitet. Sie und ihre Arbeit hat international viel Beifall gefunden. Als wir sie erstmalig trafen, war sie die tonangebende Sprecherin auf einer Friedenskonferenz an einem College in Norwegen. Sie hat einige Auszeichnungen und Anerkennungen erhalten. Aber, wie die Alten sagen, der Prophet wird im eigenen Lande nicht erkannt, und so ist die Reaktion auf sie und ihre Arbeit in Kroatien selbst recht gemischt. Ihre eigenen Ansichten über den Frieden haben sich im Laufe der Jahre entwickelt. Sie erkannte früh, dass Frieden nicht nur das Beenden von Anfeindungen ist. Wahrer Frieden erfordert Gerechtigkeit, und das schließt den Willen aller Beteiligten ein, die eigenen Fehler und Beleidigungen einzugestehen. Mit der Zeit erkannte sie außerdem, dass Frieden ebenso ein aktives spirituelles Leben erfordert. Das ähnelt sehr der Botschaft von Peace Pilgrim (der amerikanischen Friedenspilgerin).
Ein Teil des spirituellen Lebens ist die Selbsterkenntnis. Du begreifst, dass du einen Körper hast, aber du bist nicht der Körper. Du hast ein Geschlecht, aber deine innerste Essenz liegt hinter männlich oder weiblich. Du lebst innerhalb einer Rasse, einer Nation oder einer Religion, aber du bist nicht diese Rasse, Nation oder Religion. Du bist ein einmaliges Individuum und eine unsterbliche Seele, berufen, deine von Gott gegebenen Talente und Fähigkeiten zu nutzen zum Wohle anderer. Wenn genügend Menschen einer Gesellschaft das erkennen, dann kann Frieden sein. Dann können sie sehen, dass Kroaten, Serben oder Bosniak--Katholiken Orthodoxe oder Muslime--alle in ihren jeweiligen Ausdrücken verschieden sind, aber gleichartig in ihrer Essenz.
Diese einfachen Gedanken bestätigten sich uns immer wieder, während wir durch Ostkroatien radelten: vorbei an Minenfeldern (die heute immer noch gefährlich sind); vorbei an zerbombten Fabriken und Häusern; an den Häusern und Kirchen in den serbischen Dörfern, die zerfallen, seit die Bewohner sie verlassen haben. Sie bestätigten sich in Gesprächen mit Menschen, die durch den Konflikt verwundet, verwitwet oder verwaist wurden. Sie wurden sogar bestätigt durch all die hohlen und leeren Worte jener, die den Schmerz und die Zerstörung des Krieges benutzen, um die ethnischen Streitigkeiten fortzusetzen und ihre politischen Karrieren voranzutreiben.
Eure Pilger wendeten ihre Fahrräder Serbien zu und setzten ihre Reise fort. Darüber mehr im nächsten Bericht.
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