22 Dezember 2013

Weihnachten 2013



Weihnachten 2013
 
Das Reich Caesars forderte Tribut von den Menschen
Und erhob Anspruch auf alles, das sie geschafen haten.

Das Reich Herodes forderte das Blut unschuldiger Kinder
Und erhob Anspruch auf die Zukunf der Menschen.

Das Reich Gotes kam als ein Geschenk vom Himmel
Und brachte Freiheit, Liebe und Freude,
Wohnend in Menschenherzen im jetzigen Moment.

Got ist Mensch geworden, auf das Menschen götlich werden können:
Die Früchte vergangenen Schafens austeilend in Nächstenliebe,
Die Zukunf schafend durch schöpferische Liebes-Taten und freudevolle Opfer-
taten,

In Freiheit lebend im gegenwärtigen Augenblick—
Und die Ewigkeit darin erlebend.

mit herzlichen Grüßen von Alexandra und William

24 Dezember 2012

Weihnachten 2012

Weihnachten 2012 - von Alexandra
 
Weihnachten 2012



Aus Weltenhöhen

Kam das ungeschaffene Licht,

Durch unermessliche Räume,

Und wurde das Licht der Menschen

Auf der Erde.



Aus dem Urbeginn aller Zeit,

Das schöpferische Wort,

Ertönend durch die Äonen der Äonen,

Nahm Menschengestalt an,

Und wandelte unter uns.



In der wachsenden äußeren Dunkelheit,

Möge dieses Licht leuchten in unseren Seelen,

Und geoffenbart werden in unseren Taten,

Vorbereitend die Morgenröte eines neuen Tages.



In dem Lärm des äußeren Chaos,

Möge dieses Wort unseren Gemütern Frieden und Ordnung bringen,

Und Liebe und Harmonie ergießen

In unser Leben und in unsere Welt.



Möge das Wort Gottes,

Das Licht der Welt,

Das Christus-Kind,

Aufs neue geboren werden in unseren Herzen,

Zu Weihnachten und darüber hinaus.

01 Juni 2011

Pilger im Fernsehen

Liebe Freunde,

Ein sehr kurzes Fernsehbericht über Eueren Pilger ist Ende Mai im Bayerischen Rundfunk gesendet worden. Man kann es schauen auf dem folgenden "Link":

http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/stationen-magazin/stationen-pilgern-fahrrad-ID1306412766018.xml

17 Dezember 2010



WEIHNACHTEN 2010

Das Licht das die Welt erleuchtet
kam in die Welt,
damit unsere verfinsterten Seelen Licht werden können.

Das Leben der Welt kam in die Welt,
damit unser sterbliches Leib das ewige Leben aufnehmen kann.

Der Schöpfer der Welt kam in die Welt,
damit unser Handeln sich wende von Zerstörung zum Schöpfen.

Der Sohn Gottes kam in die Welt,
damit wir Kinder Gottes werden können:
die gefallene Welt verwandelnd und veredelnd,
in Freiheit und reine Liebe.
mit lieben Gruesse von,
Alexandra und William

07 Oktober 2010

Oktober 2010: Kosovo


Oktober 2010: Kosovo

Liebe Freunde,


nach dem letzten Bericht aus Zentralserbien verbrachten Eure Pilger eine ruhige Nacht in einem kleinen Kloster und radelten dann weiter nach Süden. Die Straße war ruhig und die Landschaften waren herrlich. Der Lärm, der Verkehr und das ganze chaotische Leben in und um Belgrad schienen nun mit Sicherheit weit weg zu sein.

Als wir die Grenze zum Kosovo erreichten, mussten wir zunächst einen serbischen Grenzübergang passieren. Ein Stück weiter kamen wir dann zu einem internationalen Grenzkontrollpunkt. Er war besetzt von Serben in Kosovo-Polizeiuniformen und von internationalen Kräften in Kampfausrüstung und Flakwesten. Die europäischen Grenzposten, die uns kontrollierten, waren sehr freundlich. Sie sahen dort nicht viele Leute auf Fahrrädern, aber wir waren nicht die ersten. Sie sagten uns, dass Reisen im Kosovo sicher sei, besonders für Amerikaner. Trotzdem sollten wir uns in Acht nehmen in den serbischen Gebieten, die könnten gefährlich sein. Tatsächlich meinten sie, im Interesse unserer Sicherheit sollten wir nicht anhalten oder mit Jemandem sprechen, bis wir den Fluß Ibar überquert und das serbische Gebiet verlassen hätten und in das albanische Gebiet gelangt wären. Sie waren offensichtlich entweder Superathleten, oder waren jedoch niemals mit einem voll beladenen Fahrrad längere Strecken gefahren. Für den Fall, dass wir doch einen Halt einlegen müssten, rieten sie uns, entweder ein EU-Lex- oder ein KFor- Fahrzeug anzuhalten, der Fahrer würde uns dann zu einem sicheren Hotel geleiten. (Anmerkung: EU-Lex ist ein internationaler Korps von Polizeioffizieren, Grenzposten und Justizbeamten der EU. KFor ist eine Militärkraft unter dem Kommando der NATO, einschließlich Kontingenten von Nicht-NATO Staaten wie der Schweiz.) Sie teilten uns auch mit, dass wir im Camp Bondsteel im Südwesten des Kosovo, dem größten US-Stützpunkt in der Region, Hilfe im Notfall bekommen könnten.

Wir dankten ihnen für ihren Rat und ihre Anteilnahme und fuhren weiter Richtung Süden, entlang des Flusses Ibar. Während wir durch einige Städte und Dörfer fuhren wurde klar, dass wir in einem armen Gebiet waren. Die Häuser und Autos waren in einem armen, reperaturbedürftigem Zustand. Viele Autos hatten keine Nummernschilder. In den Läden gab es nur sehr wenig Lebensmittel. Die meiste Zeit gab es keinen Strom, also waren die Beleuchtungen, die Registrierkassen und die Kühlschränke normalerweise aus. Die Menschen schienen zunächst sehr misstrauisch und reserviert zu sein. Aber sobald wir sie mit unserem wenigen Serbisch, das wir gelernt hatten ansprachen, wurden sie freundlich. Während unserer Reise durch Zentralserbien, das im Jahr 1999 hart vom NATO-Bombardement getroffen worden war, wurden wir oft gefragt, woher wir kämen. Wir lernten schnell zuerst zu sagen, dass wir Griechisch-Orthodoxe sind und erst dann hinzuzufügen, dass wir Amerikaner sind. Diese Form der Annäherung funktionierte weiterhin wunderbar. Es gab keine Anzeichen von der Feindseligkeit, vor der die Grenzposten uns gewarnt hatten.

Bevor wir mit unserem Bericht fortfahren, erscheinen uns einige Hintergrundinformationen zur Geschichte sinnvoll. Dies sind einige Dinge, die wir während unserer Reise durch Serbien gelernt hatten und die sehr hilfreich waren, unsere Erlebnisse und Erfahrungen, die wir dort machten, zu verstehen. Der Kosovo wird als das spirituelle Herz Serbiens angesehen. Hier gab es eine Vielzahl herrlicher alter orthodoxer Klöster. In gewisser Weise nahm die serbische Nation mit der Schlacht von Kosovo Polje ihren Anfang, als sich verschiedene Adlige unter Count Lazarus (dem späteren Heiligen Lazarus) vereinten, um gegen die einfallenden Ottomanen zu kämpfen. Sie waren zahlenmäßig weit überlegen. Vielleicht begann ein Teil der Schwierigkeiten in dieser Region damals mit Count Milosh. Um die Invasoren zu schwächen, täuschte er eine Kapitulation vor. Als er zum Sultan geführt wurde, um seine Unterwerfung zu unterbreiten, zog er ganz unritterlich sein Schwert und ermordete den Ottomanenführer. Es gab eine fürchterliche Schlacht mit schweren Verlusten auf beiden Seiten und Lazarus wurde getötet. Doch obwohl die Ottomanen einen Sieg ausrufen konnten waren sie so geschwächt, dass ihre Europainvasion für lange Zeit zum Stillstand kam.

Der Konflikt in seiner gegenwärtigen Form wurde anscheinend schon während des zweiten Weltkrieges vorbereitet. Albanien wurde von den Achsenmächten (Deutschland, Italien) eingenommen, Serbien war an der Seite der Aliierten. Die Achsenmächte hatten zusammen mit den Albaniern die Kontrolle im Kosovo übernommen und vertrieben viele Serben von hier. Als die Kommunisten nach dem Krieg unter Tito an die Macht kamen, hinderten sie serbische Flüchtlinge daran, in den Kosovo zurückzukehren.
In den späten 1990er Jahren, als sich das alte Jugoslawien auflöste, eskalierten im Kosovo ethnische Unruhen. Rechtswidrige militärische und paramilitärische Gruppen bekämpften sich gegenseitig und terrorisierten die Zivilbevölkerung. Kleinere ethnische Gruppen, wie Sinti und Roma sowie Kroaten, waren ebenfalls das Ziel von Gewalt. Wir trafen einen internationalen Experten, der fast sieben Jahre lang im ehemaligen Jugoslawien Kriegsverbrechen auf den Grund ging und Opfer und Zeugen interviewte. Er erzählte uns, dass, seiner Erfahrung sowie auch der seiner Kollegen nach, beide Seiten, sowohl die Serben als auch die Albanier, eine annähernd gleiche Anzahl von Kriegsverbrechen ausgeübt hatten. Doch gab es fast keine Fälle von Gewalt von Serben gegen Serben, aber zahlreiche Fälle von Terror von albanischen Paramilitärs gegen nicht kooperative Albanier.
1999 befahl US-Präsident Clinton den Luftangriff auf Serbien. Wie gut bekannt ist, verloren viele Zivilisten dabei ihr Leben. Weniger bekannt ist, dass die industrielle und ökonomische Grundlage Serbiens praktisch zerstört wurde. Ebenso waren die Auswirkungen auf die Umwelt außerordentlich, da ebenso Raffinerien, Chemieanlagen und Bergwerke bombardiert wurden, außerdem wurde offensichtlich radioaktive Munition angewendet. Etwas später rückten die KFor- und EU-Lex Kräfte im Kosovo ein und beherrschen faktisch das Territorium.
2004 gab es noch eine Steigerung der Unruhen im Kosovo. Drei albanische Kinder ertranken beim Schwimmen. Es verbreitete sich das Gerücht (offensichtlich unbegründet), dass Serben sie ins Wasser getrieben hätten. Es gab Angriffe - einige davon sehr gut instrumentalisiert – von Banden auf unbewaffneten Serben. Ein Mann fuhr sein Auto in eine Gruppe serbischer Kinder, eins wurde dabei getötet. Serbische Kinder wurden erschossen, als sie in einem Fluß schwammen. Mönche und Nonnen wurden ermordet, einige brutal. Viele Serben wurden gezwungen, nördlich des Ibar zu ziehen oder den Kosovo ganz zu verlassen. Viele alte Kirchen und Klöster wurden zerstört. Traurigerweise standen die meisten dieser Tempel unter dem Schutz der Kfor-Truppen. Wir trafen etliche Mönche und Nonnen die uns berichteten, dass die Soldaten sie mit Gewalt aus ihren Klöstern geholt hatten mit der Begründung, dass es ihre Aufgabe sei, Leben und nicht Eigentum zu beschützen. Die Kirchen blieben auf diese Weise ungeschützt und wurden zerstört. Einige wurden fachmännisch gesprengt. Ein UN-Arbeiter, den wir trafen, bestätigte dies.

Obwohl wir inzwischen schon durch 45 Länder gereist sind und viel gesehen und erlebt haben, machte der Kosovo einen befremdlichen Eindruck auf uns. Wir waren in vielen Ländern, die Mitglieder der NATO, der EU oder von beidem waren. Aber hier waren wir in einem Land (obwohl von vielen Regierungen nicht als Staat anerkannt), das von der NATO und der EU geschaffen wurde und aufrechterhalten wird. Es war ein bisschen wie in einem futuristischen Film. Fremde bewaffnete Soldaten zogen herum. Auf den Straßen gab es große teure Autos mit getönten Fensterscheiben und mit EU - oder UN – Nummernschildern. Die offizielle Währung ist der Euro. In den größeren Städten kann man Geschäfte und Banken von vielen ausländischen Investoren sehen. Viele von ihnen haben ihre Landesfahnen gehisst über ihrer Immobilie. Es gibt wenig Arbeitsplätze und praktisch keinen Export. Die Arbeit von Familienmitgliedern im Ausland, Geschenke oder Anleihen von EU-Mitgliedsstaaten, der Transport von illegalen Drogen und Waffen, sowie Menschenhandel unterstützen die Wirtschaft. Und obwohl die meisten Menschen freundlich und hilfsbereit sind, liegt ein ständiges, unmissverständliches „Gefühl“ von Spannung und Gefahr in der Luft. Wie man sich gut vorstellen kann, hatten alle, die wir trafen, Geschichten zu erzählen über Verlust und Leid von sich selbst und geliebten, nahe stehenden Menschen.

Die albanische Bevölkerung ist relativ jung. Die meisten jungen Erwachsenen, die wir trafen, waren Studenten: vorwiegend der Wirtschaft, Computertechnologie oder Fremdsprachen. Nur wenige von ihnen konnten eine Arbeit finden. Anscheinend waren sie umgeben von einer Kultur im amerikanischen Stil: laute Musik, brutale oder unzüchtige Filme und einem Verlangen nach großen teuren Autos und elektronischen Gütern. Andererseits schienen diese Einflüsse bei ihnen wiederum nicht so besonders tief zu gehen, denn sie waren offen, freundlich, optimistisch und sehr familienorientiert. Wenn wir erzählten, dass wir Amerikaner sind, war die typische Reaktion: „Amerika: ein gutes Land. Bill Clinton: ein sehr guter Mann.“ In Pristina, der Hauptstadt, sahen wir die berühmte Bill Clinton-Statue, ebenso die große Kopie der New Yorker Freiheitsstatue. Wir waren sehr berührt von der Freundlichkeit und der Gastfreundschaft, die wir erfuhren.
Die serbische Bevölkerung war meist älter. Auch hier hatten nur wenige einen Arbeitsplatz. Viele, besonders Frauen, trauten sich nicht, sich außerhalb ihrer Enklaven frei zu bewegen, auch nicht bei Tageslicht. Es gab viele Entführungen auf den Straßen, und das Schicksal der Opfer war oft grausig. Die meisten Serben waren geflohen. Jene, die geblieben waren, schienen sehr wenig von der ausländischen Hilfe abzubekommen, die in das Land fließt. Viele serbische Dörfer sind zerstört worden. Wir verbrachten eine unserer letzten Nächte in einem zeitweiligen Unterschlupf mit einem Mann und seiner schon älteren Mutter in solch einem Dorf. Die bombardierte Schule und die zerstörten Häuser machten das Ganze ziemlich schauerlich, und trotzdem erzählte uns der Mann, dass Dinge hier jetzt ziemlich sicher seien. Wie auch immer, wir hörten hier und auch an anderen Orten, dass tragischerweise nur die Dörfer überlebten, die keinen Albaniern gestattet hatten, Häuser zu kaufen.

Doch auch hier war die Gastfreundschaft warm und großzügig. Wir waren zwei Tage lang bei einer Familie in einer serbischen Enklave, hatten zusammen viele tiefe Gespräche und teilten Freuden und Sorgen. Wir bemerkten einmal, dass sie das Essen auf Kredit im Ortsladen gekauft hatten, weil ihnen das Geld ausgegangen war. Wir versuchten behutsam, ihnen etwas Geld anzubieten, aber sie wiesen das ganz klar zurück. Bevor wir weiterfuhren, versteckte ich in der Küche etwas Geld, ohne es zu sagen. Einige Wochen später bekamen wir eine e-mail von unseren neuen Freunden, in der sie schrieben, dass wir sie in große Schwierigkeiten gebracht hätten. Sie hatten das Geld gefunden und schnell geschlussfolgert, wo es her kam. Sie fühlten, dass sie es nicht für sich behalten konnten, und so gaben sie es als ein Geschenk an ein nahe gelegenes Kloster. Doch der Abt sagte ihnen, dass es eine Sünde für ihn sei Geld von Menschen zu nehmen, die ohne ein Zuhause als Pilger unterwegs sind. Er sagte ihnen, sie sollten das Geld irgend woanders hin geben, vielleicht zu Menschen in einer ganz schlimmen Notlage. „Seht mal, was für Schwierigkeiten ihr uns beschert habt!“ schrieben sie. Aus diesem Ereignis haben wir eine wichtige Lektion gelernt, nicht nur eine über die Tiefe der wahren, heiligen Gastfreundschaft, sondern auch über Takt und darüber, achtsam zu sein, anderen ihren „Schatz im Himmel“ nicht zu rauben.

Als wir den Kosovo verließen in Richtung Mazedonien waren wir erfüllt von vielen Eindrücken und Gefühlen: dem Grauen über die Erinnerungen und Folgen des Krieges; der meist surrealen, beunruhigenden Natur des gegenwärtigen „Friedens“; der Güte, die wir sowohl bei Serben als auch bei Albaniern angetroffen hatten; und von der Tragik, dass hier (aus welchen Gründen auch immer) die alte, an Weisheit reiche serbische Kultur und die junge, dynamische albanische Kultur nicht nebeneinander bestehen werden können für lange Zeit. Vielleicht haben wir hier mehr Tränen vergossen als irgendwo sonst auf unserer Pilgerreise bis heute.

Wir dankten Gott auch für unsere Treffen mit so vielen einzelnen Menschen – die unter Bedingungen leben, die für die meisten Westeuropäer schwer vorstellbar sind – Menschen, die Liebe statt Hass wählten, Wahrheit statt Massenpropaganda und Hoffnung statt Verzweiflung. Wir halten sie dankbar in unseren Gebeten, genauso wie alle anderen, die uns materiell und spirituell unterstützt hatten auf dieser Pilgerreise.

P.S.: „Insider“-Informationen über die Arbeit internationaler Organisationen im Kosovo gibt es in dem Artikel über diesen link: http://www.juliagorin.com/wordpress/?p=2103

15 September 2010

September 2010: Serbien

September 2010: Serbien

Liebe Freunde,

der letzte Bericht über Eure Pilger ging an Euch, als sie mit den Rädern in Ost-Kroatien entlang des Flusses Danube fuhren. Dann überquerten sie die Grenze nach Serbien. Der erste Eindruck hier war Freundlichkeit. Jedoch gab es auch den Eindruck von Armut, besonders in den kleineren und großen Städten. Wir fuhren dann mit unseren Rädern auf den Fruška Gora (Фрушка гора) – das ist ein heiliger Berg mit vielen Klöstern und einem Nationalpark – und wir besuchten das Frauenkloster in Beočin (Беочин). Danach hatten wir eine etwas abenteuerliche Nacht im Zelt.

Am nächsten Morgen, während des Gottesdienstes in der Kirche dankten wir aus vollem Herzen Gott für Seinen Schutz in der vergangenen Nacht. Nach dem Frühstück radelten wir durch den Fruška Gora Nationalpark zum Kloster Šišatovac (Шишатовац). Dort trafen wir Bischof Artemije und einige der Mönche, die mit ihm dort leben. Sie empfingen uns mit Liebenswürdigkeit und heiliger Gastfreundschaft. Wir wissen nicht nur ihre Freundlichkeit sehr zu schätzen, sondern auch die vielen ehrlichen und inhaltsvollen Gespräche mit den Mönchen.
Der Bischof war – und ist offensichtlich immer noch – im Zentrum des Sturmes einer Kontroverse in der Serbischen Orthodoxen Kirche. Später bekamen wir viele Beschuldigungen gegen ihn zu hören. Wie auch immer, unser erster, unvoreingenommener Eindruck von ihm war der eines freundlichen, älteren Gentlemans. Obwohl er sich in bishoflichler Würde zeigte, war er umgänglich (er sprach perfekt griechisch), einfach und lebte in sehr bescheidener Umgebung. Die Kirche vor Ort, die im Zweiten Weltkrieg beschädigt worden war, war immer noch nicht repariert. Wegen Platzmangels lebten fünf Mönche zusammen in einer Zelle und sie teilten sich in ein altes Auto. Wir erfuhren auch tief empfundene, heilige Gastfreundschaft im Kloster, und wir waren nicht nur von der frommen Hingabe und Wärme der Mönche tief berührt, sondern auch von ihrem herrlichen Sinn für Humor.

Noch etwas anderes hinterließ einen tiefen Eindruck in uns. Viele Menschen reisten nach Šišatovac zu den Gottesdiensten, manchmal müssen sie schwierige und teure Reisen durch das ganze Land auf sich nehmen. Man konnte die Intensität ihrer stundenlangen Gebete in den Gottesdiensten spüren.
Als wir dort weilten, hat die Synode, das höchste leitende Organ der Serbischen Orthodoxen Kirche, Artemije seines Amtes als Bischof von Kosovo-Metohia enthoben. Obwohl verschiedene unbewiesene Behauptungen gegen ihn erhoben worden waren, betraf die hauptsächliche Meinungsverschiedenheit seine sehr offen zum Ausdruck gebrachte Haltung bezüglich des Kosovo. Seine Meinung war, dass das Kosovo ein Teil der Republik Serbien bleiben und eine Regierungsform ähnlich der in der Schweiz errichtet werden sollte, welche die Rechte der ethnischen Gruppen und die örtliche Autonomie in Bildung, Religion, Kultur und Gebietsverwaltung garantiert.

Er sprach sich gegen die fortwährende Vertreibung der ethnischen Serben aus dem Kosovo aus, sowie gegen die Schikanen gegenüber denjenigen, die bleiben. Er protestierte gegen die Zerstörung von 150 Kirchen, die nach dem Krieg unter der Obhut der USA und des europäischen Militärs geschah. Er prangerte den Mord an Serben und Albaniern an und den Verkauf ihrer Organe durch Führer ethnischer albanischer Milizen, zwei Jahre bevor dieser Skandal die Zeitungen erreichte. Und noch mehr, er war selbst, trotz seiner Fehler und menschlichen Mängel, die am meisten sichtbare Mahnung und Erinnerung daran, dass Kosovo-Metohia die Heimat des spirituellen Herzens Serbiens ist.

Neulich erhielten wir die Information, dass Artemije vor Kurzem von der Synode seiner Würde und seines Amtes als Priester und Bischof enthoben wurde. Er erklärte öffentlich, dass er diese Handlung für nicht rechtmäßig--weder nach den kirchlichen Kanonen, noch nach das serbische Gesetz--und auch für illegal hält.

Wir verließen Šišatovac und fuhren mit den Rädern in Richtung Belgrad, der Hauptstadt. Auf dem Weg trafen wir Flüchtlinge von Bosnien, Kroatien und Kosovo aus der Nachkriegszeit des Jugoslawienkrieges und viele Menschen, die ohne Arbeit oder unterbeschäftigt waren, größtenteils wegen des Krieges und der Zerstörung vieler Industrieanlagen während der Bombardierung 1999. Die Freundlichkeit und Gastfreundschaft, der wir begegneten, war herzerwärmend.

Wie auch immer, die Bedingungen für Radfahrer in der Stadt Belgrad waren jedoch (mit Ausnahme einiger Wege entlang der Flüsse) weniger als ideal. Nachdem wir eine Abkürzung genommen hatten, um über eine Brücke zu kommen, fanden wir uns auf einer stark befahrenen Autobahn mit beschränktem Zugang wieder. Dann kam ein langer Tunnel mit wenig Bewegungsfreiheit. Betäubt vom donnernden Verkehr, halb blind von den Scheinwerferlichtern, hin und her pendelnd im Luftstrom der vorbeifahrenden Lastzüge beteten wir heftig und traten straff in die Pedale. Nach dem Tunnel gab es immer noch keine Möglichkeit, diese Autobahn zu verlassen. Und dann kam noch ein Tunnel – genauso lang und genauso gefährlich wie der andere. Wir dankten Gott für seine Bewahrung, aber wir fühlten, dass, wenn wir uns nochmals in einen weiteren lebensgefährlichen Tunnel begeben würden, dies bedeutete, den Herrn zu versuchen. Am Straßenrand gab es einen kleinen Parkplatz, da saßen zwei Lastwagenfahrer aus der Türkei, die dort parkten und gerade beim Mittagsessen waren. Sie waren sehr freundlich und einer sprach etwas deutsch. Als sie unsere Notlage begriffen, halfen sie uns, die Fahrräder die Böschung hinauf zu tragen bis auf die Spitze des Berges, durch den der Tunnel ging. Bald waren wir weg von der Autobahn und wieder im normalen Stadtverkehr!
Während unseres Aufenthaltes in Belgrad nahmen uns zwei orthodoxe Schwestern unter ihre Fittiche. Sie arrangierten für uns die Unterkunft und halfen uns bei allen praktischen Details, außerdem führten sie uns zu bemerkenswerten Tempeln und Monumenten, wie die Kirche von St. Petka (Paraskevi) und die gewaltige Kathedrale vom hlg. Sava, dem Schutzheiligen der Serben.

Es würde zuviel werden, all unsere Treffen und Erfahrungen aufzuzählen und darüber zu berichten, die wir in Zentralserbien hatten. Aber einer der Höhepunkte war Čačak (Чачак). Wir wohnten bei Tatiana, einer Englischlehrerin, die wir getroffen hatten, ihrem Vater, der ein Hobby-Bienenzüchter ist, und bei ihrer Mutter, die kocht wie die Chefköchin eines feinen Hotels, sowohl in der Qualität als auch in der Quantität. Die Ovčar-Kablar Schlucht (Овчарско-кабларска клисура) am Fluß Morava liegt in der Nähe. Diese herrliche Gegend mit Flußmäandern, Felsklippen und atemberaubenden Naturschönheiten wird, auch wegen ihrer zahlreichen alten Klöster, der Berg Athos Serbiens genannt.
Ein weiterer Höhepunkt war das Kloster Žiča (Жича), in der Nähe von Kraljevo. Es wurde vor über 800 Jahren von Stephan, dem ersten König Serbiens, errichtet. Die Oberin ist eine Frau von großer Heiligkeit, die Schwestern (und einige andere Besucher) sind besonders musikalisch. Ihre Freude am Gebet und am Singen war verknüpft mit einer tiefen Sorge um das zerstörte Land auf Grund der Bombardierung durch die NATO im Jahr 1999, und um die Kinder, krank durch die Auswirkungen des Krieges auf die Umwelt. Das ist wohl ein Beispiel für eine „Nachahmung Christi“, die Herzen zu öffnen für die Liebe und die Freude an und in Gott und die Mitmenschen, und gleichzeitig Mitgefühl zu verspüren für eine leidende Welt, so krank auf körperlicher, psychischer und spiritueller Ebene.

Nachdem wir Žiča verlassen hatten, besuchten wir einen anderen alten und historisch wichtigen heiligen Ort, Studenica (Студеница)., erbaut 1190, der großartige Fresken beherbergt. Von hier aus radelten Eure Pilger durch die wunderschöne, bergige Landschaft Serbiens weiter südlich, in Richtung Kosovo. Mehr darüber im nächsten Bericht.

15 August 2010

August 2010: Deutschland, Österreich, Slovenien, Kroatien

Liebe Freunde,


bitte verzeiht die lange Unterbrechung unserer Berichte. Eure Pilger schrieben Euch das letzte Mal aus Dänemark. Von da aus reisten sie nach Heidelberg in Deutschland, wo sie auf der Hochzeit ihrer Freunde Beate und Michael sangen. Viele Jahre zuvor, noch bevor das Paar sich überhaupt kannte, hatte uns Beate gebeten, wenn sie jemals heiraten würde, auf ihrer Hochzeit das „Hochzeitslied“ zu singen. Ihre Bitte wurde sehr freudig erfüllt! Zusätzlich schrieb William ein neues Lied extra für dieses Ereignis. (Es gibt einen link zu dem Text auf dieser Seite.) Die Feier fand auf einem Biobauernhof statt und Eure Pilger verbrachten die Nacht gemeinsam mit den anderen Gästen, feiernd, tanzend und dann schlafend im Stroh.

Bald danach fuhren wir mit dem Zug nach Österreich und begannen dort mit unseren Rädern die Fahrt in Richtung Balkan. In Österreich und Slowenien trafen wir viele freundliche Menschen, fuhren auf gut gepflasterten und ruhigen Straßen und Radwegen und fühlten uns mehr und mehr erfrischt mit jedem neuen Tag. Es war eine gute Vorbereitung für das, was noch kommen sollte.

Wir überquerten die Grenze nach Kroatien in einer ruhigen, ländlichen Gegend. Vor vielen Jahren waren wir im Touristengebiet an der kroatischen Küste gewesen, wo Ausländer nur als Geldkühe angesehen werden, die beim „Melken“ so viele Dollar wie möglich geben sollen. Dieses Mal waren wir im Norden des Inlandes, und es schien hier eine völlig andere Welt zu sein. Es gab nur wenig Verkehr, das Wetter war gewöhnlich gut und wir erfuhren sehr freundliche Gastfreundschaft, als wir in Kirchen schliefen oder auf Bauernhöfen zelteten.




Der Höhepunkt unserer Zeit in Kroatien war vielleicht der Besuch einer alten Freundin, die wir sieben Jahren zuvor kennen gelernt hatten. Katharina lebt in Osijek im Osten von Kroatien. Sie war dort zur Zeit der Trennung Kroatiens von Jugoslawien. Es war eine Stadt, in der Kroaten und Serben in relativem Frieden zusammen lebten, bis zum Krieg. Die Stadt wurde geteilt. Es gab Gewalt und Greueltaten zwischen den beiden ethnischen Gruppen. Die Menschen wurden untereinander extrem misstrauisch. Katharina war eine erfolgreiche Ärztin und hätte leicht die Stadt verlassen und an einen sichereren Ort ziehen können. Aber sie entschied sich zu bleiben – als eine Zeugin von Frieden und Vernunft. Sie wurde von einem Mann begleitet, der dieselben Ideale hatte. So entstand das "Centar za Mir"- das “Zentrum für Frieden”, das auch heute noch arbeitet. Sie und ihre Arbeit hat international viel Beifall gefunden. Als wir sie erstmalig trafen, war sie die tonangebende Sprecherin auf einer Friedenskonferenz an einem College in Norwegen. Sie hat einige Auszeichnungen und Anerkennungen erhalten. Aber, wie die Alten sagen, der Prophet wird im eigenen Lande nicht erkannt, und so ist die Reaktion auf sie und ihre Arbeit in Kroatien selbst recht gemischt. Ihre eigenen Ansichten über den Frieden haben sich im Laufe der Jahre entwickelt. Sie erkannte früh, dass Frieden nicht nur das Beenden von Anfeindungen ist. Wahrer Frieden erfordert Gerechtigkeit, und das schließt den Willen aller Beteiligten ein, die eigenen Fehler und Beleidigungen einzugestehen. Mit der Zeit erkannte sie außerdem, dass Frieden ebenso ein aktives spirituelles Leben erfordert. Das ähnelt sehr der Botschaft von Peace Pilgrim (der amerikanischen Friedenspilgerin).


Ein Teil des spirituellen Lebens ist die Selbsterkenntnis. Du begreifst, dass du einen Körper hast, aber du bist nicht der Körper. Du hast ein Geschlecht, aber deine innerste Essenz liegt hinter männlich oder weiblich. Du lebst innerhalb einer Rasse, einer Nation oder einer Religion, aber du bist nicht diese Rasse, Nation oder Religion. Du bist ein einmaliges Individuum und eine unsterbliche Seele, berufen, deine von Gott gegebenen Talente und Fähigkeiten zu nutzen zum Wohle anderer. Wenn genügend Menschen einer Gesellschaft das erkennen, dann kann Frieden sein. Dann können sie sehen, dass Kroaten, Serben oder Bosniak--Katholiken Orthodoxe oder Muslime--alle in ihren jeweiligen Ausdrücken verschieden sind, aber gleichartig in ihrer Essenz.





Diese einfachen Gedanken bestätigten sich uns immer wieder, während wir durch Ostkroatien radelten: vorbei an Minenfeldern (die heute immer noch gefährlich sind); vorbei an zerbombten Fabriken und Häusern; an den Häusern und Kirchen in den serbischen Dörfern, die zerfallen, seit die Bewohner sie verlassen haben. Sie bestätigten sich in Gesprächen mit Menschen, die durch den Konflikt verwundet, verwitwet oder verwaist wurden. Sie wurden sogar bestätigt durch all die hohlen und leeren Worte jener, die den Schmerz und die Zerstörung des Krieges benutzen, um die ethnischen Streitigkeiten fortzusetzen und ihre politischen Karrieren voranzutreiben.

Eure Pilger wendeten ihre Fahrräder Serbien zu und setzten ihre Reise fort. Darüber mehr im nächsten Bericht.




17 Juli 2010

Juni-Juli 2010: Dänemark


Juni-Juli 2010: Dänemark
(Photo rechts: Viborg Kathedrale, Südportal)

Eure Pilger fuhren mit ihren Rädern der schönen norwegischen Küste entlang zur Fähre in Kristiansand, dann mit dem Schiff nach Hirtshals, Dänemark. Zwei verregnete Tage fuhren sie dann mit den Rädern durch die wundervolle Landschaft Nordjütlands und zelteten zwei Nächte auf primitiven „Zeltplätzen“ in dänischen Wäldern. Je näher sie Viborg kamen, dem Pilgerzentrum, umso mehr erfuhren sie die Gastfreundschaft von Pilgergefährten auf dem Weg nach Viborg, z.B. in Aalborg. Hobro und Vammen.

In Viborg trafen sie eine alte Freundin: Elizabeth Knox Seith ist eine ehemalige Religionsjournalistin, die erst kürzlich zur Priesterin der dänischen Kirche ordiniert und zur Pilger-Priesterin am Pilgerzentrum in Viborg bestellt wurde. Ihre gemeinsame Zeit mit ihr – und mit einigen neuen Freunden, die wir durch sie trafen – war gefüllt und erfüllend. Eure Pilger erhielten ein warmes Willkommen, heilige Gastfreundschaft und viel Unterstützung. Natürlich gab es auch Treffen und Gespräche mit dem Vorstand und mit Freunden des neuen Pilgerzentrums. Es gab eine Präsentation in der Kirche ihrer Freunde Birgitta und Flemming (die sie später mit zur Kathedrale nach Aarhus nahmen). Sie verbrachten auch einige Nachmittage im Pilgerzentrum, um ankommende Pilger zu empfangen.

Drei Tage in der Woche feiert Elizabeth zur Mittagszeit eine kurze Andacht in der Krypta der Kathedrale. Eure Pilger nahmen daran teil, sangen, beteten, lasen aus den Evangelien vor und sprachen darüber. Außerdem gab es Interviews für die Zeitung, für Radio und Fernsehen. Zwei Links dazu sind am Ende dieser Post zu finden.

Dann kam die große Nordische Pilgerkonferenz. Es kamen Pilger aus Dänemark, Norwegen und Schweden, aber darüber hinaus gab es auch Gäste aus England und Deutschland. Die Konferenz bestand aus vier Pilgergruppen, die über viele Tage hindurch von Norden, Süden, Osten und Westen nach Viborg gelaufen kamen. Es gab auch eine Gruppe, die nach Dänemark, in den Limfjord, mit dem Segelschiff anreiste, und außerdem eine Vielzahl von Menschen, die auf „eigene Faust“ kamen.

Samstagabend war der Vorabend des Tages des Heiligen St. Kjeld. Es gab einen keltisch inspirierten Gottesdienst in der Kathedrale, mit geistlichem Tanz einer lieben Freundin, Katrin Mann aus Jena. Im Anschluß daran folgte, durch die ganze Nacht hindurch, eine Vigil, eine Nachtwache mit stündlichen Gebeten und Gesängen, sowie am nächsten Vormittag ein Abendmahlsgottesdienst. Wahrscheinlich war diese Vigil die erste Nachtwache an diesem Ort seit der dänischen Reformation 1536.

Auf unseren Reisen treffen wir viele Menschen, die sich in utilitaristischen Aktivitäten engagieren: die weltliche Aufgaben erfüllen in weltlichen Gebäuden, inmitten von weltlichen und zunehmend gottlosen Institutionen. Unsere Erfahrung bei der Pilgerkonferenz zeigte klar und deutlich, wie sehr die Seelen der Menschen bewegt und ihr Geist genährt und gestärkt werden kann durch scheinbar ganz einfache Dinge: das Gehen zu heiligen Orten, das Beten in herrlichen Kirchen, das Anzünden von Kerzen, das Betrachten heiliger Bilder, das Teilnehmen an geistlichem Tanz, das Machen oder das Zuhören inspirierter Musik. Natürlich sind die ganz praktischen Aufgaben, wie das Sorgen um Nahrung, Kleidung und Schutz, ganz wichtig und unerlässlich. Sie können sogar das Feld sein, auf dem unser geistiges Leben blüht und Früchte trägt. Aber wenn die Aüsserlichkeiten unser Streben nach dem Guten, unsere Liebe zur Wahrheit und unsere Wertschätzung des Schönen verdrängen, dann verlieren sie all ihre Bedeutung und ihren Sinn. Und noch mehr: Eine einseitige Herangehensweise an das Leben wird unsere Seelen und unsere Gesellschaft grausam, trocken und mechanisch machen. Die Pilgerbewegung in Skandinavien legt Zeugnis ab für das Streben so vieler Menschen nach Harmonie, Einfachheit und Heiligkeit in ihren Leben. Lasst uns einander helfen und ermutigen in diesem Streben… egal, wo wir sind!


Ihr könnt den TV- Nachrichtenbericht über diese Adresse sehen:

http://www.tv2regionerne.dk/player.aspx?id=552786&r=6

Hier ist der Link zum Zeitungsartikel: Viborg-article

Achtung! Es gibt zwei große Fehler in dem Artikel! 1.: Wir sind nicht nur getaufte orthodoxe Christen, sondern auch gläubige Christen.
2.: Unsere Fahrräder wurden wirklich in England gesegnet, aber von einem orthodoxen Priester in einem orthodoxen Kloster.
Es gibt auch noch ein paar kleinere Fehler, die wir hier unkommentiert lassen. Unglücklicherweise ist das nicht das erste Mal, dass sogar Reporter mit einer grundsätzlich guten Absicht sachliche Fehler in ihren Artikeln machen.

17 Juni 2010

Mai-Juni 2010: Norwegen

Mai-Juni 2010: Norwegen

Liebe Freunde,

Seit dem letzten Bericht fuhren Eure Pilger mit den Fahrrädern zum Flughafen Larnaca, und nach einigem Abenteuer, die Räder in’s Flugzeug zu bekommen, flogen sie nach Norwegen. Sie kamen gerade rechtzeitig zum norwegischen Nationalfeiertag, den 17.März. An diesem Morgen erhielten sie beim Frühstück mit ihren Freunden Svein und Kerstin einen norwegischen Sprach-Crashkurs zur Auffrischung. Dann kam die große Parade mit Musik, Flaggen und die Menschen in wunderbarem Tracht. Später am Tag gingen sie zum Lia Gaard, einem christlichen Einkehr-Zentrum für Familien in Koppang.

Der Höhepunkt des Aufenthaltes in Lia war die Einweihung der orthodoxen Kapelle der St. Fotini, ein herrliches Gebäude im byzantinschen Baustil. Etwa sechs Jahre lang wurde daran geplant und gebaut. Als Eure Pilger Lia 2003 das erste Mal besuchten, hielten ihre Leiter, Sigmund und Ingeborg, gerade Familieneinkehrtage ab zum Thema „Die Frau am Brunnen“. Obwohl die Beiden mit Niemandem darüber sprachen, planten sie bereits, eine orthodoxe Kapelle zu bauen, die der „Frau am Brunnen“ geweiht sein sollte. Aber sie wußten ihren Namen nicht oder dass so viel von ihrer Lebensgeschichte in der Tradition der othodoxen Kirche erhalten ist, bis Eure Pilger diese Dinge im Gespräch erwähnten. Einige Jahre später erhielten sie dann aus Lia eine Einladung - und Flugtickets – für die Einweihung der Kapelle.

„Fotini“ ist der Taufname der Samariterin am Brunnen, von der im Johannisevangelium die Rede ist. In der orthodoxen Tradition wurde sie den Aposteln gleichgestellt, seit sie Christus als den Retter erkannte und die Gute Nachricht zu den Menschen in Samaria brachte. Ihre Geschichte ist die erste Beschreibung der Guten Nachricht, die über die Grenzen der hebräischen Nation hinaus getragen wurde. Am Ende von Goethes „Faust“ wird die Samariterin zusammen mit Maria Magdalena und Maria von Ägypten im Himmel dargestellt, als eine der drei archtypischen Repräsentantinnen, die der Welt Reue, Vergebung und Gnade bringen.

Die Einweihnung wurde amtlich durchgeführt durch einen orthodoxen „Heiromönch“ (d.h. Mönch und Priester zugleich), aus Hurdal und Oslo, Vater Johannes. Die Einweihung beinhaltete nicht nur die Segnung der Kapelle, sondern auch die Segnungen des „Jakob's Brunnens“, der nahebei gegraben wurde, und der „Bjorn Quelle“, die bei den Bauarbeiten der Straße zum Bornhügel, auf dem die Kapelle steht, entsprang. Es gab weiterhin eine Reihe von Vorträgen und Präsentationen, und Eure Pilger komponierten und sangen ein Lied, das der Hlg. Fotini gewidmet ist. (Der Liedtext befindet sich am Ende dieses Berichtes.) Am Tag nach der Einweihung kam eine Gruppe von ostchristlichen Asyl-beweber aus Eritrea nach Lia zu einem Gebetsgottesdienst und einem Besuch der Kapelle.

Bald danach gab es in Lia ein Seminar über ostchristliche Spiritualität, das von Peter Halldorf geleitet wurde, einem Priester der Pfingst Kirche in Schweden. Er ist außerdem Leiter einer Kommunität, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die protestantischen und orthodoxen Traditionen einander näher zu bringen. Können die östlichen christlichen Praktiken und Traditionen in einer protestantischen Umgebung, außerhalb der östlich-orthodoxen oder der koptischen Kirche kultiviert werden? Liebe Leser, diese Frage lassen wir offen. Eines war allerdings ziemlich klar: Peter sprach zu einem überwiegend protestantischen, z.T. pietistischen Publikum. Während er über Heiligkeit, heilige Zeit, heilige Bilder oder über die Transformation und die Heiligung (theosis) des Menschen sprach, berührte er Themen, die für Viele aus dem Publikum schwer zu verstehen oder zu akzeptieren waren. Nichtsdestoweniger sind es Themen von grundlegender Wichtigkeit. Wenn wir voll verstehen, dass wir geschaffen wurden als Ebenbilder Gottes und Ihm ähnlich, und dass der Sinn unseres Lebens darin besteht, dies wiederherzustellen – um wie Gott zu werden und wie Gott zu handeln – dann sind unsere Leben auf einem sehr tiefgehenden Niveau verändert.

Eure Pilger reisten weiter nach Süden bis Christiansand und gingen an Bord der Fähre nach Dänemark. Mehr darüber im nächsten Bericht!
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Fotini
(Uebersetzung durch Katrin Mann)
Sie kam mittags, in der Hitze des Tages.
Sie kam durstig nach Wasser.
Sie kam von einem Volk, verloren und verwirrt.
Sie kam mit Durst nach Leben.

Und am Brunnen, an der Wasserquelle,
traf sie die Quelle des Lebens.
Sie hörte Seine Stimme in der Wahrheit und im Geist,
Er sprach zu ihr: ICH BIN.
Sie bat ihn um das Wasser des Lebens.
Er sagte ihr alles, was sie getan hatte.
Er sprach vom Vater, von Anbetung und Wahrheit.
Sie erkannte, Er ist der Erwartete.

Sie ließ ihren Krug am Brunnen zurück an diesem Tag,
In ihr selbst sprudelte eine Quelle lebendigen Wassers.
Sie ging zu ihrem Volk und brachte ihnen gute Nachrichten:
Kommt, seht die Quelle des Lebens!

Ja, in ihrem Herzen floß lebendiges Wasser.
Dort entsprang die Quelle des Lebens.
Sie hört Seine Stimme in der Wahrheit und im Geist.
Er spricht zu ihr: ICH BIN.

Ja, in ihrem Herzen fließt lebendiges Wasser.
Dort entspringt die Quelle des Lebens.
Komm, hör Seine Stimme in der Wahrheit und im Geist.
Er spricht zu uns: ICH BIN.

17 Februar 2010

Februar 2010: Zypern

Februar, 2010: Zypern

Liebe Freunde,

Wie sicher viele von Euch bemerkt haben, war es eine Weile still um uns seit dem letzten Bericht. Das letzte, was Ihr von Euren Pilgern zu hören bekommen hattet, war aus dem verschneiten El Peso in Texas. Das letzte halbe Jahr waren wir sehr beschäftigt.

Weihnachten 2009 verbrachten wir in den USA, dann flogen wir nach Europa. Unglücklicherweise ohne unsere bisher übliche „Winterpause“. Wie auch immer, bevor wir die USA verließen, besuchten wir noch einen alten Freund in Massachusetts. Vater Paul ist ein orthodoxer Hieromönch, d.h. er ist Priester und Mönch zugleich. Er lehrt an der „Harvard Divinity School“ in Cambridge. (Die „Göttlichkeitsschule“ ist ein an die Harvarduniversität angegliedertes Institut der höheren Ausbildung, gewidmet den Studien von Göttlichkeit, Religion und Theologie.) Mit seiner Soutane, dem langen, grauen Haar und Bart und mit seinem Kreuz stand er draußen in der Fakultät. Einmal, am ersten Tag des Studienjahres, kam ein Divinity Student vorbei, schaute ihn an und sagte zu ihm, dass er doch gar nicht an Gott glauben würde und begann, einige der ueblichen atheistischen Argumente aufzusagen. Vater Paul erwiderte ganz einfach: „Gut...auch ich glaube nicht an dem Gott, an dem du nicht glaubst!“ Das ist wohl eine Art, ein Gespräch zu beginnen! Wir verbrachten einige Zeit mit ihm, schauten uns eine Dokumentation über das byzantinische Reich an und sprachen über dieses Kapitel der Menschheitsgeschichte. Es stellte sich heraus, dass dies etwas später sehr hilfreich sein sollte.

Auf der Insel Zypern machten wir einige interessante Erfahrungen. Aus politischer Sicht waren wir hier in vier souveränen Territorien: in der Republik Zypern; dem Nordteil der Insel, der von der Türkei eingenommen ist und politisch de facto zur Türkei gehört; die „Grüne Linie“, die Pufferzone, okkupiert von der UN (ungefähr drei Prozent des Landes); sowie dem britischen Territorium. Jeder Teil hat einen eigenen Charakter.

Ostern und einige Tage davor verbrachten wir in einem orthodoxen Kloster. Die alten Traditionen Ostern zu feiern sind noch lebendig, und der orthodoxe Gottesdienst in den Kirchen nimmt die Menschen Schritt für Schritt mit durch die Ereignisse rund um die Kreuzigung. Es tat uns gut, einige Zeit damit zu verbringen, über die Passion und Auferstehung Christi kontemplativ nachzusinnen, weg von den politischen und geschäftlichen Unruhen, die auf der Insel so vorherrschen.

Unser vielleicht wichtigstes Treffen war das mit Athanasius, dem Bischof von Limassol. Es ist für uns eine seltene Erfahrung, einen Mann zu treffen von wahrer Heiligkeit, der außerdem eine hohe Position in der institutionellen Kirche inne hat. Ja, trotz der vielen Intrigen und politischen Verwicklungen in der zyprischen orthodoxen Kirche ist Bischof Athanasius solch ein Mann. Er empfing uns in der großartigen Kathedrale, in seine Roben gekleidet, in seiner ganzen Würde als Bischof. Aber von Anfang an war er warm, umgänglich, menschlich und nicht ohne Humor. Er hat eine "trapeza", einen Speisesaal, wo Jeder ein warmes Essen kostenlos bekommt. Seine „Gäste“, meist arme Menschen aus der Stadt, essen dasselbe Essen, das er auch isst, in einer sauberen, sehr schönen und heiligen Umgebung. Wir sprachen mit diesen Menschen und sangen an einem Tag für sie. Wir fanden bald heraus, dass diese ganze Einrichtung nicht nur bei den Gästen sehr beliebt ist, sondern auch die Angestellten in der Küche sind glücklich, dort zu arbeiten. Athanasius gründete und unterstützt auch ein Drogen- Rehabilitationszentrum in den Bergen nahe des Klosters Macheras. Es wird von der gleichen Atmosphäre von Heiligkeit, Schönheit und Sauberkeit durchdrungen. Dort gibt es sogar einen Garten mit ökologischem Anbau, der von den Bewohnern bewirtschaftet wird.

Wir haben jedoch nicht nur unsere geliebten orthodoxen Brüder und Schwestern besucht. Unsere musikalische Pilgerreise (nun in ihrem vierzehnten Jahr), führte uns zu Anglikanern, Evangelikalen, einer kleinen arabischen Kirche, einer Sri Lanka- Kirche, einer philippinischen Kirchengruppe und einer schwedischen Mission. Überall waren wir beeindruckt von der Wohltätigkeit und der Fürsorge in all diesen Gruppen, ebenso von der Gastfreundschaft und dem warmherzigen Empfang, den wir erhielten.

Interessanterweise erlebten wir wieder ein Stück der byzantinischen Geschichte, während wir mit einigen unserer protestantischen Freunde sprachen. Für einige, sicherlich nicht für alle, ist das Betrachten und Verehren von Ikonen eine Form der Abgötterei, der Anbetung von Idolen. Von dieser Idee jedoch grenzen wir uns ab. Als orthodoxe Christen haben wir Tausende von Menschen getroffen, die Ikonen anschauen und sogar verehren als ein Hilfsmittel, das durch ihre Schönheit und Heiligkeit die Seele zu öffnen vermag für das Göttliche. Aber wir haben nicht einen Menschen getroffen, der das Holz und die Bemalung der Ikone als den lebendigen Gott angebetet oder diesen sogar Opfer dargebracht hätte. Auf der anderen Seite haben wir viele Menschen getroffen, die leben als ob das Geld ihr höchster Gott wäre. Wo bitte liegt nun die größere Gefahr einer Abgötterei? Mehr noch, in Europa und Amerika werden die Menschen täglich mit einer Flut von gottlosen und unzüchtigen Bildern überhäuft, in der Werbung und in der so genannten „Unterhaltung“. Heilige Bilder können helfen, die menschliche Vorstellungskraft zu heilen und zu reinigen.

Selbstverständlich basieren unsere Diskussionen darüber auf gegenseitigem, freundschaftlichem Respekt. Aber wir kamen nicht umhin, an die ikonoklastische Kontroverse im achten und neunten Jahrhundert erinnert zu werden. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt, als wir ein interessantes Stück Geschichte des alten Paphos entdeckten, wo wir uns gerade aufhielten. Während der Zeit des Ikonoklasmus, als die Ikonen verboten und zerstoert waren von der Staat, wurde, anlehnend an die Tradition, eine Ikone der "Panagia Chrysorroyiatissa" („Unsere Frau des Goldenen Granatapfels“) in das Meer getragen, um sie vor Raub und Entheiligung zu bewahren. Das Wasser trug sie geheimnisvollerweise in die Bucht bei Paphos und wurde dann in Geroskipou aus dem Wasser geholt. Später, im 12. Jahrhundert, wurde ihr in den Troodos Bergen ein Kloster erbaut. Heute steht dieses Kloster unter der Leitung des Abtes Dionysios, der eine der weltgrößten Bibliotheken für die Kunst und die Theologie der Ikonen errichtet.

Einer unserer bewegendsten Momente war in einer Kirche in Limassol. Eine ältere armenische Frau, die mit ihrer Familie anwesend war, richtete sich an die ganze Versammlung und erzählte davon, wie sie, ihre Familie und ihr ganzes Volk unter den Türken schrecklich zu leiden hatten. Jedoch, so sagte sie, legte Gott ihr ins Herz, für das türkische Volk zu beten. Was war ihre Antwort darauf? “Gott hat mir selbst so viel vergeben, wie könnte ich mich weigern, anderen zu vergeben?“

Eure Pilger verabschiedeten sich von Zypern, ein wenig traurig darüber, so viele Freunde verlassen zu müssen, aber voll freudiger Erwartung auf Skandinavien. Darüber berichtet dann der nächste blog!

Unsere Liebe und unsere Grüße gehen an alle unsere Freunde und an alle, die uns halfen auf unserem Weg!

25 Januar 2010

Dezember 2009: Arizona, New Mexico








Dezember 2009: Arizona und New Mexico

Liebe Freunde,

der letzte Bericht Eurer Pilger endete in der Wüste von Südkalifornien. Dort füllten sie ihre Wasserflaschen auf, beluden ihre Fahrradtaschen mit Trockenfrüchten, Cracker und Haferflocken und machten sich auf den Weg nach Arizona. Das Fahrradfahren durch die Wüste brachte einige Herausforderungen mit sich, aber auch viele Belohnungen. Wir hatten die Etappen der Reise etwas mehr als sonst zu planen, um nicht in völlig verlassenen Gegenden vom Einbruch der Nacht überrascht zu werden, und auch, um Essen und Wasser auffüllen zu können. Die richtige Kleidung war ebenso wichtig: wir fanden es besser, lange, lockere Kleidung zu tragen, mit hohem Nacken und langen Ärmeln zum Schutz vor der Sonne. Alsbald wir die wir die Helme ab legten , haben wir die Sonnenhüte angesetzt.

Darüber hinaus erwies sich die richtige innere Einstellung als wichtig. Man könnte sich auf die Hitze, die Trockenheit, die kalten Nächte, die holprigen Wege oder die eintönige sandige Landschaft konzentrieren. Oder man konnte dankbar sein für die Sternennächte, die sonnigen Tage und die Schönheit der Natur mit ihren wundersamen Stein- und Sandformationen, Kakteen und anderen phantastischen Pflanzen ( manchmal blühend!), Hirschen, "Jackrabbit" Hasen, "Roadrunner" Voegel (das sind wüstenbewohnende Verwandte des Kuckucks) und anderen Tieren. Dann waren da die netten und freundlichen Menschen, die wir unterwegs trafen. Man konnte auch dankbar sein, dass es überhaupt Straßen gab (manche gut gepflastert) und ausreichend Wasserstellen, und dass die Fahrräder (durch die Hilfe von Uli Bahle vom Rad-Mobil in Rosenheim) die holprigen Wege, den Sand und die langen Fahrzeiten so hervorragend überstanden. Und weiterhin konnte man auch sehr dankbar sein für die segensreiche Stille der Wüste und die Möglichkeit für langes, ununterbrochene Gebet. Unser erster Halt in Arizona war in Yuma, wo wir bei M. und V. blieben. Sie sind ein sehr aktives, tuechtiges Paar, die ihr wunderschönes Heim selbst bauten. M. erklärte, dass er keine "couch-potato" Stubenhocker mag, so dass er gemeinsam mit seiner Frau, als er von dem Paar hörte, welches 50.000 km mit dem Fahrrad zurückgelegt hat, ihre Haustür für diese beiden Radfahrer öffnete. Wir haben uns schnell verstanden. Dort lernten wir viel über das landwirtschaftliche System, seine Abhängigkeit von Bewässerung und von den Menschen, die im Gange halten– von den Chefs bis zu den eingewanderten Feldarbeitern. Fast das gesamte einheimische Gemüse der USA kommt in den Wintermonaten entweder von hier oder aus Südkalifornien.

Weiter ging es durch die Wüste: in der Oase "Dateland" in Arizona war unser nächster Aufenthalt. Hier genossen wir einen Dattelmilchshake und füllten unsere Vorräte mit getrockneten Datteln der dortigen Palmen auf. Dann ging es weiter bis Gila Bend, einer ursprünglich mexikanisch-amerikanischen Stadt, wo wir ein sehr warmes Willkommen erhielten. Wir waren Gäste der katholischen Gemeinde, sangen (in englisch und spanisch) auf einem ihrer Gebetstreffen, und wir gaben Konzerte in einer Schule und einem Seniorenzentrum. Zwei pensionierte Schulrektoren, die Bruder und Schwester sind (der Bruder war bereits weggezogen und gerade auf Besuch, die Schwester wohnte noch dort), nahmen uns unter ihre Fittiche. Durch diese wundervollen Menschen lernten wir viel über die Sorgen und Freuden der früheren - und heutigen – mexikanischen Einwanderer.

Bald verschlug es uns in den Norden von Arizona. T. und T., ein Paar, das wir in Oregon getroffen hatten, nahm uns in ihrem Pick up–Truck mit, zunächst nach Prescott in ihr Zuhause, außerdem noch nach Sedona und zum Grand Canyon (siehe Bild oben), und dann wieder nach Süden. Wir hatten tiefsinnige Gespräche, während wir durch großartige Naturmonumente fuhren oder gingen, und nachdem wir diese erfahren hatten. Außerdem gab es für uns in Prescott wieder die Möglichkeit zu singen.

Wenn man durch die Wüste radelt, beginnt man bald zu verstehen, warum die alten Wüstenväter, wie z.B. der Heilige St. Anthony (251-356 AD), in die Wüste gingen, um Gott zu suchen. Und es ist auch nicht überraschend, dass manche Menschen spirituelle Gemeinschaften in der amerikanischen Wüste gegründet haben. Wir besuchten das griechisch-orthodoxe Kloster von St. Anthony nahe Florence, Arizona, das von dem Ältesten ("Gerontas" oder "Starez") Ephrem vom Berg Athos gegründet wurde. Das Kloster ist eine überwältigende grüne Insel inmitten eines Wüstenmeeres. Es ist voller wunderschöner Gebäude in griechischem oder russischem Baustil. Es gibt auch Springbrunnen, Gärten, Gartenlauben, ornamentale Pflanzungen, Gemüsegärten und Haine mit Oliven, Datteln, Zitrus- und anderen Früchten. Als die Anhänger von Fr. Ephrem auf dessen Empfehlung hin das Land kauften, war es unfruchtbar und trocken. Uns wurde erzählt, dass Fr. Ephrem, nachdem er drei Tage gefastet und gebetet hatte, einige Freunde zu einer bestimmten Stelle führte und ihnen sagte, wie tief sie zu graben hätten, um Wasser zu finden. Bald darauf stießen sie auf einen unterirdischen Fluß, der auch heute nicht nur den Boden bewässert und die Mönche und die Hunderte von Gästen versorgt, die praktisch jeden Tag da sind, sondern auch noch einen Überschuß an Wasser ermöglicht, der in der Stadt Florence verkauft wird.

Die meisten Besucher des Klosters sind Griechen, die entweder in Griechenland oder in den USA oder in Kanada leben. In den Gottesdiensten wird nur Griechisch benutzt, und die meistgehörte Sprache im Gästehaus oder im Gelände ist Griechisch. Wir fragten zwei Leute, warum sie Tausende von Meilen nach Arizona geflogen waren, wo es doch mehr als genug Klöster in Europa gibt. Die Antwort war, dass Fr. Ephrem ein heiliger Mann ist, und dass sich die weite Reise lohnt, um in seinem Kloster zu sein und seinen Segen zu empfangen. Diese Meinung wurde bekräftigt durch die vielen Mönche, die dem Kloster beitraten, ebenso durch die zahlreichen Berichte aus erster Hand, die wir von Menschen hörten - manchmal mit Tränen der Freude und Dankbarkeit in den Augen – die hier in Zeiten ernster Bedrängnis von einem der Beichtväter hilfreiche Beratung erhalten hatten.

Die äußeren Regeln des Klosters sind ziemlich streng. Wecken ist um 1:00 Uhr nachts angesagt. Gottesdienste sind von 1:30 nachts bis 3:30 oder 4:00 Uhr morgens, dann folgt das Frühstück. Bis 7 Uhr ist Ruhezeit. Am Nachmittag sind noch mehr Gottesdienste, und am Abend eine kurze „Komplet". Um 19 Uhr beginnt die Stillezeit. (Was der durchschnitts Grieche von "Stille" versteht weicht allerdings von unseren Vorstellungen wesentlich ab.) Männer und Frauen haben ihre Arme und Beine zu bedecken. Frauen sollen Röcke oder Kleider tragen und Kopf und Hals mit einem Schal bedecken. Wie es in orthodoxen Klöstern üblich ist, neigen die Mönche dazu, unter sich zu sein, oft leise aber hoerbar das Herzensgebet betend, während ihrer Arbeit oder wenn sie durch das Klostergelände gehen. Dennoch, wenn man sich ihnen nähert, gehen sie mit freundlicher Wärme auf Fragen oder Probleme ein und geben kurze, praktische Antworten.
Der Älteste ist sehr beliebt und gefragt. Obwohl er in seinen Achtzigern und etwas gebrechlich ist, verbringt er Stunden (je nachdem, wie es seine Gesundheit erlaubt), in seinem Büro im "Catholicon", der Hauptkirche, hört sich Beichten an und erteilt Rat. Wir hatten die Gnade, mit ihm über unsere Pilgerreise zu sprechen und seinen Segen zu empfangen. Er sprach zu uns (da wir nicht Muttersprachler sind) in einem klaren, einfachen Griechisch, dennoch mit Worten voller Bedeutung. Sein gealteter Körper schien von Licht umgeben, und dieser Eindruck wurde noch verstärkt durch die Freude, die Liebe und den guten Humor, die in seinen Augen glitzerten. Wir verließen das ziemlich kurze Treffen mit dem Gefühl, dass der Schleier zwischen Himmel und Erde sehr dünn geworden war.

Natürlich wird, wo auch immer Menschen bestrebt sind, den Willen Gottes zu erfahren und zu tun, auch immer menschliches Versagen und Scheitern sein. Nichtsdestotrotz ist dieses Kloster ein echtes Beispiel der Tradition des Berges Athos. In unserer Zeit, wo sich so viele Menschen der östlichen Spiritualität zuwenden, um Antworten zu erhalten auf die Fragen, die den Gesellschaften in Europa und Amerika so zusetzen, wird die christliche Spiritualität des Ostens eigenartigerweise - und traurigerweise – oft ignoriert. Hier, in der Wüste des amerikanischen Südwestens, fanden wir einen Platz, wo aufrichtige Sucher diese Ignoranz überwinden können. Bald darauf fanden wir einen weiteren Ort dieser Art.

In Safford, Arizona, besuchten wir das Frauenkloster von St. Paisius. Äußerlich scheint es sich sehr zu unterscheiden vom Kloster St. Anthony: Es ist ein Frauenkloster. Obwohl es unter der serbischen orthodoxen Kirche steht, wurde der Gottesdienst in Englisch gehalten, und der Beichtvater ist ein in Amerika geborener christlicher Konvertit. Aber im Geist, in der Tiefe und der Aufrichtigkeit ihres spirituellen Bestrebens sind die zwei Klöster sehr ähnlich. Es war ebenfalls eine Freude hier zu sein.

Eure Pilger besuchten auch einige orthodoxe Gemeinden in Arizona und New Mexico. Sie hatten ausgedehnte Aufenthalte als Gäste der Gemeinden in Tucson, Arizona und Las Cruces, New Mexico. In diesen Gemeinden waren sie in den 40 Tagen vor Weihnachten, der Zeit des „Weihnachtsfastens", das ist eine Zeit, die dazu gedacht ist, zu beten, zu fasten und das Fest des Kommens des Herrn der Erde vorzubereiten. Obwohl es nicht so streng gesehen wird wie die vorösterliche Fastenzeit, so ist es doch eine Zeit, sich selbst zu sammeln und zu reinigen. In Tucson hatten sich die Priester von zwei Gemeinden zusammen getan, um während der 40 Tage jeden Morgen die Heilige Liturgie (Eucharistie) zu feiern. Wir empfanden das als eine große Hilfe für unsere eigene Vorbereitung auf Weihnachten.

Anfang Dezember waren wir an der Grenze zu Texas, gerade, als ein großer Schneesturm das Land traf. Dem Wink von Mutter Natur folgend, packten wir an einem Morgen mit viel Schneefall unsere Fahrräder in einen Zug in El Paso, dann sprangen wir selbst hinein. Nicht lange danach spazierten wir am Strand des Atlantischen Ozeans in New Jersey entlang, damit vollendeten wir gewissermaßen einen vollen Kreis, denn hier begannen wir letzen April unsere Nordamerika-Reise.

Was waren unsere größten Eindrücke und Lektionen dieser Reise? Erstens wurden wir sehr berührt von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, die war trafen, und von den Naturschönheiten unterwegs. Zweitens waren wir sehr überrascht zu erleben, wie in betraechtlichen Teile der USA für Fahrradfahrer gesorgt wird, was alles für Fahrradfahrer getan und gebaut wurde und wird, mehr, als wir jemals sahen in den letzten 13 Jahren. Darüber hinaus trafen wir etliche Langstreckenradfahrer, besonders an den populäreren Routen, auf denen wir fuhren, d.h. auf dem C&O-Kanal-Weg (Washington DC nach Cumberland, MD), der Allegheny Passage (Cumberland, MD nach Pittsburg, PA), der Pazifikküsten-Route (Vancouver bis Mexico) und der „Nord Tier" Route (Maine bis Washington State).

Drittens, vielleicht für uns am Wichtigsten, erfuhren wir die Wahrheit einer Aussage eines Pfarrers in Detroit. Die amerikanische Kultur und die amerikanische Geschichte sind nicht einfach eine Manifestation des Materialismus. Unsere Kultur und Geschichte sind ein Kampf gegen den Materialismus – und gegen die übel wollenden Geister des Materialismus und des Mammon. Und dieser Kampf wird von der göttlichen Vorsehung genau deswegen erlaubt, weil die Amerikaner mit ihrer positiven, "Ja, wir koennen!" Einstellung, ihrer nüchternen Sachlichkeit und ihrem Optimismus ideal dafür geeignet sind diesen Kampf zu kämpfen. Der Materialismus, wenn er sich in den Kulturen der alten Welt einwurzelt, kann oft viel mehr zynisch sein und zerstörerisch für die Seele. Im Vergleich dazu ist der Materialismus in Amerika mehr eine Art „Jugend-Krankheit", vergleichbar mit Disharmonien während der Zeit der menschlichen Adoleszenz.

Natürlich ist eine „Adoleszenz-Krankheit" auch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Man muss klar darueber sein: Der Kampf um die menschlichen Seelen tobt hier sehr wütend. Die verschiedenen Kämpfe für die Umwelt und die ökonomische Vorherrschaft, die verschiedenen Kriege an den militärischen, politischen, rechtlichen und Massenmedien/Propaganda – Fronten sind nur Widerspiegelungen und Folgen dieses mehr grundsätzlichen Kampfes um unsere essentielle Menschlichkeit und unsere ewige Individualität. Wie es ausgehen wird ist noch unentschieden. Unkritische Schmeicheleien über die USA als ein Land, in dem Milch und Honig fließen, sind natürlich fehl am Platz. Aber genauso falsch und schädlich ist es, Amerika als ein Land der Habgier und Unmoral zu verdammen. Amerika ist der Schauplatz der Schlacht, die weit reichende Konsequenzen für die ganze Welt hat. Weit besser als jede Verurteilung ist ein aufrichtiges Gebet an den Schöpfer der Welt und den Guten Hirten unserer Seelen, dass die Amerikaner--und auch allen anderen Menschen--ihren Teil in Seinem Plan tun, um die Welt zu heilen.

Es gab viele Menschen, die wir trafen, die uns auf ganz verschiedene Weisen unterstützten und uns halfen und die wir in diesem Brief nicht erwaehnt haben. Unser Dank geht zu ihnen allen, genauso wie zu allen unseren Freunden in der ganzen Welt.

Alexandra and William
4. Januar 2010

P.S. Eines der größten Diskussionsthemen, die wir hier in den USA gehört haben, ist die Finanzierung der Gesundheitsfürsorge. Dr. Patch Adams (der berühmt wurde durch den Film über ihn mit Robin Williams) resümierte über den aktuellen Stand der Dinge in einer kurzen Notiz, die er schrieb: Man kann sie runterladen von:
http://www.patchadams.org/letter_on_reform_12_09

12 Dezember 2009

November 2009: Kalifornien

Liebe Freunde,

seit unserem letzten Bericht haben Eure Pilger Kalifornien erreicht. Es hat sich als ein Land der starken Kontraste erwiesen. Einerseits trafen wir viele freundliche und hilfsbereite Menschen. Wir waren auch in ausgesprochen herrlichen Naturlandschaften: in schroffen, zerklüfteten Küstengebieten, warmen Sandstränden, in dichten Wäldern mit mächtigen Redwood-Bäumen, sowie in strahlendheller arider Wüstengegend. Andererseits waren wir oft mitten in starkem Verkehr und in schier endlosen Gebieten mit Geschäften, Garagen und Einkaufszentren unterwegs. Unsere erste Nacht in Kalifornien verbrachten wir auf einem Campingplatz, der völlig vereinnahmt war von Chaoten mit Dutzenden von Hunden: Leute, die tranken, Drogen nahmen und laut Musik spielten. Sie vermüllten die Waschräume, waren die ganze Nacht im dortigen Park zugange und brachen jedes Stück Holz ab, das nur irgend möglich war. Es waren auch viele heimatlose Menschen in Kalifornien zu sehen. Diejenigen, mit denen wir sprachen, erschienen uns als gutmütig und freundlich. Vielleicht sind sie zu gut und empfindsam, um in einer Welt zurecht zu kommen, die immer mehr vom Mammon und von Bürokratie beherrscht wird. Dennoch wirkten sie verloren, in einer scheinbaren Sackgasse auf ihren Lebenswegen. Sie bezeugen die Aussage von Mutter Teresa (aus Kalkutta), dass Armut in Amerika zuallererst geistliche Armut ist.
Wie wir in den 12 Jahren unserer Pilgerreise erlebt haben, stehen die Erfahrung der Wunder und Schönheit von Gottes Schöpfung und die Güte Seines Volkes, sowie die Erfahrung der Bitterkeit des Falles der Menschheit mit all ihren Konsequenzen, dicht beieinander. Die erste der beiden Erfahrungen stärkt unsere Hoffnung, die zweite unseren Vorsatz zu heilen und zu helfen.
In San Francisco besuchten wir die Kathedrale, die die Reliquien des Heiligen Johannes Maximovitch, des russisch-orthodoxen Bischofs von Shangai und San Francisco, beherbergt. Uns war es möglich, in der dazugehörigen christlichen Schule für die Kinder zu singen und mit ihnen zu sprechen. Finanziell gesehen ist es ein Wunder, dass die Schule ueberhaupt arbeiten kann. Ein noch größeres Wunder ist jedoch das Wachstum der Kinder in einer echten, wahrhaftigen Frömmigkeit, in der Liebe zu Gott und den Mitmenschen und in einem vom Herzen kommenden Interesse an der Welt.
Später, im Big Sur - Gebiet, wurden wir zu einem Benediktiner-Kloster geführt: New Camaldoli Hermitage. Der Fahrweg dorthin steigt vom Meer bis auf 500 Meter Höhe an. Jemand sagte uns, dass es bis zur Klause nur eine viertel Meile sei, tatsächlich waren es zwei, was zwei Prinzipien bestätigte, die wir auf unserem Weg gelernt haben: 1. Vertraue niemals darauf, dass Autofahrer eine akkurate Schätzung von Entfernungen abgeben können! 2. Manchmal ist es besser, vorher nicht zu wissen, wie schwierig eine Reise werden kann: es könnte sein, dass du umkehrst und dann eine sehr wichtige Erfahrung verpasst!
Die Brüder nahmen uns mit wahrer benediktinischer Gastfreundschaft auf, und wir verbrachten zwei Tage in der gesegneten, mit Gebeten gefüllten Stille ihres Heimes, geborgen zwischen dem Meer und den Sternen. Dann ging es zurück zum Highway 1: Autos, Wohnwagen, steile Anhöhen, Robben, eine fantastische Meeresküste und Mitradfahrer von nah und fern, aus Kalifornien selbst und sogar aus der Schweiz und Deutschland...darunter einen pensionierten Zahnarzt aus Jena.
Weiter südlich hielten wir an einer japanischen buddhistischen Kirche. Wir erhielten vom dortigen Priester ein warmes Willkommen und verbrachten die Nacht in der kontemplativen Atmosphäre ihres Rückzughauses. Es war spät in der Nacht gewesen, wir waren richtig müde und fragten uns, wo wir nur die Nacht verbringen könnten… und dann sahen wir das Zeichen der Kirche. Später entdeckten wir, dass eine Schwesterkirche in der Nähe von Guadalupe (Kalifornien) ihren einhundertjährigen Geburtstag feierte. Sie spielte eine sehr wichtige Rolle im Leben der japanischen Amerikaner, deren Eigentum während des zweiten Weltkrieges konfisziert wurde und die weiter im Inland in Lagern inhaftiert waren. Nach dem Krieg, als sie an die Küste zurückkehrten, waren die Kirchen Zufluchtsorte und Treffpunkte für einzelne Menschen und Familien, die darum kämpften, sich ein neues Leben aufzubauen.
Von hier ging es weiter nach Lompoc, um Williams Bruder, seine Schwägerin und die beiden Zwillingsneffen zu besuchen, die in einem Luftwaffenstützpunkt leben. Wir fuhren geradewegs zum Haupttor – voll beladen mit Gepäck, Gitarre und hellgrünen Reflektoren auf dem Rücken. Aus irgendeinem Grund kam der Feldwebel aus dem Wachhaus heraus gerannt, begrüßte uns persönlich und schickte uns zum Besucherzentrum. Bald waren wir im Haus von Williams Verwandten, tauschten mit den Erwachsenen die Neuigkeiten aus und trafen die Vierjährigen zum ersten Mal. Die kleinen Neffen sind unbeschreiblich süß in ihren guten Momenten, aber wenn sie nicht so gut drauf sind, dann sind sie wie eine Mischung aus Tornado und Erdbeben!
In San Diego waren wir Gäste der Griechisch-Orthodoxen Kirche des Heiligen Gregor von Nyssa. Der Priester, Vater Simeon und Presbytera (Ehefrau des Priesters und damit geistige Mutter der Gemeinde) Joy-Ann sind eine Quelle des Lichtes und der Kraft, nicht nur in ihrer Pfarrgemeinde, sondern für die Menschen in der ganzen Gegend; sogar in Mexico unterstützen sie ein Waisenhaus. Ein oder zweimal saßen wir auf dem Hof hinter der Kirche, tranken griechischen Kaffee, der in einem echten „briki“ bereitet wurde, aßen “koulourakia”, genossen das warme und trockene Wetter und die Sonne und nahmen den Staub und den Lärm des Verkehrs auf. Es war erstaunlicherweise so, als wären wir in eine griechische Stadt transportiert worden. Wir besuchten eine Taufe in der Grossstadt, sangen für die Patienten in einer psychiatrischen Klinik und trafen uns mit zwei Klassen einer hier ansässigen "charter school" (eine oeffentliche Schule die das Erlaubnis hat, von dem Lehrplan des Staats abzuweichen) Grundschule.
Nachdem wir in die Wüste gefahren waren, zelteten wir in der Nacht hinter einem Fahrradladen in Alpine, CA, und trafen den Besitzer. Er ist nicht nur ein freundlicher Gastgeber und guter Mechaniker, sondern auch ein Vorbild für eine ganze Anzahl von Kindern, die der Laden mit seinen Rädern wie ein Köder anlockt, aber nicht nur die Räder, vor allem er selbst zieht sie an, denn in ihm finden die Kinder eine Art „Guter Onkel“, der ihnen eine ganze Menge über Fahrräder beibringt, und ganz nebenbei auch über das Leben und wahre Werte.
Der ursprüngliche Name von El Centro, CA, war “El Centro de La Palma de La Mano de Dios”, das bedeutet „das Zentrum der Handfläche von Gottes Hand“. Tatsächlich liegt der Ort unter dem Meeresspiegel – wie der niedrigste Punkt einer Handfläche – und er würde eine Wüste sein, wenn es nicht die Kanäle gäbe, die Wasser vom Colorado Fluß herleiten. Hier besuchten wir die anglikanische Kirche, erfuhren einiges über die Meinungsverschiedenheiten in der Anglikanischen Kommunion, und trafen sogar den Bischof, der gerade aus San Diego zu Besuch da war. Wir besichtigten auch das erstaunliche Bewässerungssystem und die landwirtschaftliche Oase, ebenso die Grenze zwischen den USA und Mexico, die schwer bewacht und patroulliert wird. Von hier ging es weiter nach Arizona.
Wie immer geht unser Dank an die vielen Menschen, die uns auf unserem Weg durch geistige, emotionale und materielle Unterstützung halfen. Sie sind in unseren Herzen und Gebeten.

Alexandra and William
12 November, 2009

27 Oktober 2009

Oktober 2009, Pazifikkueste, Washington und Oregon

Liebe Freunde,


Nun ist es fast ein halbes Jahr her, dass wir die US Atlantikküste verlassen haben. Jetzt werden die Tage kürzer und die Luft kühler. Das Odometer hat gerade die 30.000 Meilen-Marke (50.000 km) überschritten. Eure Pilger haben die Pazifikküste erreicht, mit dem Fahrrad von der Wie das alte Lied "America the Beautiful" geht, sind sie gefahren "from sea to shining sea". Sie haben viele gute Menschen besucht in Mt. Vernon, Port Townsend, Edmonds, Marrowstone Island, Vashon Island und irgendwo im Puget Sound Gebiet. Von dort zogen sie an der Küste entlang weiter südwärts, durch Oregon nach Kalifornien.

Wir können nur einige von den vielen Höhepunkten aufzählen, die wir auf diesem Weg erlebt haben. Port Townsend, WA, war mit Sicherheit einer von ihnen. Wir wurden von einer freundlichen und sehr musikalischen Familie aufgenommen, mit der wir viel Zeit verbrachten mit gemeinsamem Singen und Musizieren. Sie machten auch eine Rundreise mit uns durch die Gegend, dabei waren wir einem sehr populären Kaffeeladen mit einem Barista, der Weltklasse hatte. Man kann mehr ueber diese Berufung und die dazugehoerige Kunst lesen bei: http://de.wikipedia.org/wiki/Barista In diesem Teil der Welt, wo auch in Seattle „Starbucks Kaffee“ seinen Anfang nahm, nehmen die Leute das Kaffeetrinken sehr ernst!

Außerdem besuchten wir die Orthodoxe Kirche von St. Herman aus Alaska. Ihr Patron, St.Herman, verließ das russische Kloster zu Valaam am Ladoga-See (den eure Pilger im August 2000 besuchten), und reiste nach Nordamerika, einen großen Teil des Weges mit Hundeschlitten. Russische Trapper und Fischer brachten später ihre Kultur und Religion hinunter an die Pazifikküste bis nach Fort Ross, Kalifornien. In der hiesigen Gemeinde wurden wir wie in eine Familie aufgenommen und trafen viele Seelenverwandte. In einem nahe gelegenen Park besuchten wir ein Gemeindecamp. Wir waren erstaunt darüber, wie die vielen Menschen dort, vor allem Kinder und Jugendliche, zusammen leben, beten, spielen, singen und einfach zusammen sind in Freude und Harmonie, das war ermutigend zu sehen.

Weiterhin besuchten wir Port Haddock, WA. An einer Straßenseite ist eine Waldorfschule, die idealerweise in Kindern die Liebe am Lernen kultiviert. In der Nähe liegt ein biodynamischer Bauerhof, wo William einen Vortrag hielt über gesunde Ernährung und Landwirtschaft auf einem monatlichen Treffen fuer Landwirte. . Quer über die Straße liegt ein wunderbarer Fahrradladen, der betrieben wird von einem kompetenten und freundlichen ehemaligen wissenschaftlichen Lehrer.

Wir wurden damit gesegnet, beide der Gründungslehrer der Waldorfschule zu treffen. Und wir kümmerten uns sogar um die Bauernhoftiere der einen der beiden (eine ganz hochkarätige Lehrerin aus Südafrika), da sie in einen wohlverdienten und dringend nötigen Urlaub fuhr.

Ein anderer Höhepunkt war ein Besuch des Russisch-Orthodoxen Klosters auf der Vashon Insel (siehe Foto oben). Das Gebäude in dieser Oase von Frieden und christlicher Spiritualität ist im norwegischen Stil erbaut. Und in der Tat ist der Abt norwegischer Herkunft.

Zufälligerweise kamen wir dort kurz vor dem alljährlichen Inselpicknick an, das vom Kloster veranstaltet wird, so hatten wir die Gelegenheit, viele Menschen zu treffen, für sie zu singen und mit ihnen zu sprechen – Menschen, die dazu neigen, sehr unter sich zu bleiben, da sie hier auf einer Insel leben.

In Astoria, Oregon, (nach einer quälenden Fahrt über die Brücke von Washington), trafen wir ein freundliches Paar, das uns gleich einlud, über Nacht zu bleiben, obwohl es gerade noch Morgen war. Sie nahmen uns nicht nur mit, sondern arrangierten für uns, dass wir im Skandinavischen Radioprogramm singen und sprechen konnten. Auch einen Besuch auf der Palliativstation des Ortskrankenhauses organisierten sie für uns, wo wir für die Patienten sangen.

Weiter im Süden und einige Tage später trafen wir vor Fred Meyers Superladen einen geheimen Missionar (bekannt unter seinem Pseudonym Tumbleweed), der uns prompt zu sich nach Hause einlud. Er organisierte für uns einen Besuch in der Ortskirche und in einem Seniorenheim, und er sorgte dafür, dass wir wohl versorgt und ausgerüstet mit allem, was wir brauchten, unsere Reise nach Süden fortsetzen konnten. Ihr könnt mehr über ihn erfahren auf seinem blog im internet: http://www.tumbleweed-2.info/

Von hier aus setzten wir unseren Weg fort in Richtung Süden. (Mehr darüber in unserem nächsten blog – Bericht.)

Wie wir in unserem letzten blog schrieben, sind viele Menschen besorgt über die Wirtschaftskrise: Arbeitslosigkeit, schlechte Preise für Häuser, instabile Finanzinstitutionen und sogar finanziell instabile Regierungen der Bundesstaaten. Trotz dieser Tatsachen sieht man, wenn man sich umschaut, angemessenes Essen, Schutz, Kleidung und andere materielle Dinge, die man braucht – sogarUeberfluss oder Luxus. Zunächst einmal, die Welt erleidet eine Überproduktionskrise.

Im menschlichen Körper wächst ein Krebsgeschwür auf Kosten der anderen Organe und Körperfunktionen. Ganz ähnlich ist heute die wirtschaftliche Produktion auf Kosten der übrigen Gesellschaft gewachsen. Das politische und kulturelle Leben ist jeweils seinem eigentlichen Zweck entfremdet, und sie sind gezwungen, dieser Produktion zu dienen und sie anzukurbeln.

Diese Entfremdung führt zu einem zweiten Aspekt des Problems: eine Krise in der Verteilung der materiellen Güter. Obwohl die materielle Produktion wächst, verlieren mehr und mehr Menschen ihr Recht, an dieser Produktion teilzuhaben, (ihr Recht vor dem menschlichen Gesetz, nicht vor Gottes Gesetz).

Ein krasses Beispiel dafür ist die Vernichtung unzähliger Tonnen Nahrungsmittel in Europa und Amerika, während Kinder in Afrika und Asien an Nahrungsmangel erkranken und sterben.

Keine politische oder technische Schnelllösung kann dieses Problem lösen. Wirkliche Veränderung muß mit einer spirituellen Erneuerung beginnen, mit einer „Metanoia“, einer Veränderung des Geistes. Können wir lernen, bildhaft-lebendig statt abstrakt-tot zu denken, um die Wechselbeziehung zwischen Wirtschaft, Politik und Kultur zu verstehen? Können wir unsere grundlegende menschliche Würde erfahren, die darin liegt, dass wir Geschöpfe Gottes sind, sein Ebenbild? Können wir anderen helfen, zu dieser Erfahrung zu gelangen? Wenn diese Fragen beantwortet sind, dann, und erst dann, kann wirkliche soziale Veränderung und Heilung beginnen.

Vielen Dank geht at Katrin aus Jena fuer Ihre Uebersetzung dieses Berichts. Wir senden unsere Liebe und unseren Dank an alle unsere Freunde, an alle, die uns geholfen und für uns gebetet haben auf unserer Reise.


Alexandra and William


14. Oktober 2009

18 August 2009

August 2009 North Dakota, Montana, Idaho, Washington

August 2009
North Dakota, Montana, Idaho, Washington

Wir haben nun Nord Dakota weit hinter uns gelassen. Die freundlichen Menschen, die wir trafen, sind noch in unseren Herzen. Ebenso die Eindrücke, die wir in der norwegischen Stabkirche in Minot, ND, hatten. Die Nachbildung einer traditionellen Stabkirche ist sehr gut gelungen, sie ist gleichsam ein heiliges Buch, geschnitzt in Holz. Sie ist für uns eine Art mahnende Erinnerung daran, dass in früheren Jahrhunderten in Europa die Menschen eine wesentlich mehr lebendige und viel weniger intellektuelle Erfahrung des Christentums hatten. Die ansässige presbyterianische Kirche, obwohl in einem eher nüchternen Gebäude zu Hause, ist ebenfalls lebendig und pulsierend, sie reicht weit hinaus in die Gemeinschaft, um Menschen in ihren sowohl körperlichen als auch geistigen Bedürfnissen zu helfen.

Bei unserer Durchquerung von Montana kamen wir durch ein Indianerreservat. Es war eine angefüllte Zeit, nach einem heißen und windigen Fahrrad-Tag. Wir sprachen vor einer Bibelstudiengruppe und waren dann auf einem traditionellen Pow-Wow mit Musik, zeremoniellen Kostümen und Tanz. Am nächsten Tag sangen wir in einem Altenheim, sowie in einem Männer- und einem Frauengefängnis.

Es ist kein Geheimnis, dass Alkoholismus, Drogenmißbrauch und häusliche Gewalt ein großes Problem in den Reservaten sind. So herrschen ein Mangel an Unternehmungsgeist, sowie Abhängigkeit von sozialen Wohltätigkeitseinrichtungen. Man spürt regelrecht die Tragik dort. Die alte Kultur der Ureinwohner basierte auf einem Stammesbewusstsein und der Gemeinschaft mit den Geistern der Ahnen, die leiteten und führten. Die europäischen Siedler brachten das individuelle Bewusstsein. Dies meint in seiner besten Form, dass die grundlegende, ureigene Humanität eines Menschen entscheidend ist, und nicht die der Herkunftsgemeinschaft. Da geben uns Jeffererson’s Worte zu denken:

"That to secure these [basic human] rights, Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed"
„Um diese (grundlegenden, menschlichen) Rechte zu sichern, wurden unter den Menschen Regierungen eingerichtet, die ihre Macht herleiten aus der Zustimmung der zu Regierenden.“

Mit einigen Ausnahmen (Thomas Jefferson, welcher ins Weiße Haus Führer der nordamerikanischen Ureinwohner einlud, als Gleichgesinnte), ignorierten die europäischen Amerikaner die Geschenke und Schätze der Ureinwohner. Sie verloren die Ehrfurcht vor dem Land und der Natur im Laufe der Zeit. Sie vergaßen die menschlichen Rechte, die sich vom Schöpfer her ableiten, und beanspruchen die Verantwortung gegenueber den Schöpfer und unsere Mitmenschen.
Die Ureinwohner, unfähig, dieses neue Bewusstsein in der ihnen präsentierten Form aufzunehmen, verloren ihr Land, ihre Existenzgrundlage und ihre Kultur. Gleichwohl trafen wir viele Menschen mit sogenanntem indianischen Hintergrund, die dieses Elend überstanden haben. Sehr oft sind es Christen mit einer großen Ergebenheit und einer Sensibilität für spirituelle Dinge.
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Ein freundlicher Priester und einige Freunde brachten uns weiter durch die Prärie von Montana. Wir erreichten die Berge in Westmontana, Britisch Kolumbien (Kanada), danach Idaho und Washington, reich an Bäumen und frischem Wasser. Wir trafen auch etliche Menschen, die aus städtischen Gebieten hierher zogen, um ein neues, ruhigeres und weniger hektisches Leben zu führen. Mit ihnen zu sprechen war ebenso erfrischend wie Wandern und Fahrradfahren in der grünen Natur.

So geht unsere Pilgerreise weiter. Kanada war das 44. Land, das wir besuchten. Das Odometer (Kilometerzähler?) zeigt schlappe 29,000 Meilen (46 700 km) an. Ein ganz grosses DANKE SCHOEN geht an K.M. in Jena fuer diese Uebersetzung. Die Mengen von Menschen, die wir trafen, und die vielen Menschen, die für uns beten oder uns auf verschiedene Weisen helfen - wir denken an sie alle und erinnern uns ihrer mit Liebe und Dankbarkeit.

Alexandra and William